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George Edelman, Künstlerischer Leiter von Ferrara Musica

George Edelman

Europa in Ferrara

In Ferrara hat das MCO seine älteste Heimat. George Edelman, Künstlerischer Leiter von Ferrara Musica, über Pläne und ihre Bedeutung.

Die Planungen für das MCO in Ferrara weisen bereits weit in die Zukunft. Auf welche Projekte dürfen sich die Besucher und Einwohner von Ferrara in den nächsten Jahren besonders freuen?
George Edelman: In der näheren Zukunft, also zu Beginn der Saison 2009/10 gibt es den zweiten Akt aus Tristan und Isolde mit Daniel Harding und einer großartigen Sängerbesetzung, unter anderem mit Waltraud Meier. Das ist etwas Besonderes, weil Daniel schon seit langer Zeit Tristan dirigieren wollte. Im Theater ging es leider nicht, aber wir sind sehr froh, jetzt die konzertante Fassung zeigen zu können. Im Februar 2010 kommt dann Seiji Ozawa zu einem Konzert. Das stand ebenfalls schon lange auf der Wunschliste und wird jetzt endlich realisiert. Noch länger haben wir darüber gesprochen, Esa-Pekka Salonen zu holen. Jetzt kommt er mit der europäischen Erstaufführung seines Violinkonzertes. Er hat es Leila Josefowicz gewidmet, die es auch spielen wird. Und im April planen wir ein großes Projekt mit Claudio Abbado; tatsächlich haben wir Ideen für Projekte mit ihm für die nächsten Jahre.

Die Projekte des MCO in Ferrara sind sehr vielseitig: große Oper mit Claudio Abbado, Sinfoniekonzerte mit Daniel Harding und anderen berühmten Dirigenten, aber auch Erstbegegnungen mit jungen Solisten und Dirigenten. Was passiert außerdem im Rahmen der Residenz, und welche besondere Funktion schreiben Sie dem Residenzorchester für Ferrara zu?
George Edelman: Unser Plan ist, in Ferrara eine Reihe von Veranstaltungen mit dem MCO durchzuführen, die außerhalb des Konzert­saals stattfinden. Damit wollen wir das Bewusstsein, ein wichtiges internationales Orchester in der Stadt zu haben, vor allem bei den Studenten von Ferrara vertiefen. Unser Ziel ist es, langfristig eine neue Generation von Konzertbesuchern an uns heranzuführen – indem wir ihre Neugier auf klassische Musik wecken. Wir hoffen, dass die Gegenwart eines internationalen Orchesters, das so extrem motiviert ist, das sich so stark der klassischen Musik und dem gemeinsamen Musikmachen an sich verschrieben hat, das junge Publikum anspricht.

Die kulturpolitische Situation in Italien ist nicht einfach, zusätzlich verschärft die Finanzkrise die Lage. Wie reagiert Ferrara Musica auf die Situation und welche Rolle spielt das Orchester dabei?
George Edelman: Von Anfang an, als Claudio Abbado Ferrara Musica gründete, um einem jungen europäischen Orchester in Italien eine Heimat zu geben, war unsere Saison sehr stark auf diese Residenzprojekte ausgerichtet. Sie wurden nicht nur zu einer Tradition in Ferrara, sondern ihre herausragende Qualität machten sie auch im nationalen Vergleich zu etwas Besonderem. Die Konzert- und Opernprojekte, die mitunter in Kooperation mit dem Theater von Ferrara entstehen, gehen im Anschluss oft auf Tournee durch Europa. Unsere Hoffnung ist, dass Politiker jeglicher Couleur nie vergessen, dass dieses Juwel Ferrara Musica auszeichnet und seinen besonderen Platz als Konzertveranstalter europäischen Formats ausmacht.

Sehen Sie im MCO auch einen Botschafter der traditionsreichen Kulturgeschichte Ferraras?
George Edelman: Ferrara ist nicht die einzige italienische Stadt mit einer reichen Kulturgeschichte. Viele von ihnen sind berühmt, auch ohne ein internationales Orchester zu haben. Ich denke, für die Beziehung zwischen dem MCO und Ferrara ist die Kontinuität der musikalischen Tradition dieser Stadt wichtig. Sie lebt weiter, indem die Stadt international gefeierte Musiker einlädt, die sie bereichern und die wiederum durch Ferraras reiche Geschichte und Großzügigkeit beschenkt und inspiriert werden.

Welches Stück oder welche Oper wünschen Sie sich vom MCO?
George Edelman: Das ist eine interessante Frage, aber schwierig zu beantworten, weil es so viele Dinge gibt, die ich gerne hören würde. Es hängt auch stark davon ab, wer dirigiert – beispielsweise würde ich vom MCO gerne Bruckners 8. Sinfonie mit Claudio Abbado oder eine Oper von Rameau mit William Christie hören. Und: Bergs Lulu mit Daniel Harding!

Quelle: ON TOUR 2009/10

Residenza Italiana Mahler Chamber Orchestra