Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Staatssekretär für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff // 26.05.2009
Miteinander der Nationen //
Alle reden von der Krise. Aber die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ist überzeugt von der Notwendigkeit öffentlicher Kulturförderung. Gemeinsam mit der Kunststiftung NRW fördert und unterstützt sie die auf drei Jahre angelegte MCO Residenz NRW. ON TOUR sprach mit dem Staatssekretär für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. Ab Mai 2009 kommt das MCO für eine dreijährige Residenz nach Nordrhein-Westfalen (NRW). Welche Effekte verspricht sich die Landesregierung von diesem Projekt? Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: Die Residenz des MCO ist eine Riesenchance für alle Beteiligten. Mit ihr ist uns etwas bislang Einzigartiges gelungen: Drei international agierende Konzerthäuser haben sich zusammengefunden, um diese Residenz möglich zu machen. Sie erreichen damit eine zusätzliche Bereicherung ihrer Programme ohne die eigene Handschrift der Häuser zu verlieren. Das ist ein großer Gewinn für das Publikum und die Orchesterlandschaft unseres Landes. Von einem solchen Projekt geht deshalb auch ein Signal aus für die Kultur insgesamt im Land.
Die Kunst- und Kulturszene in NRW ist überaus vielseitig. Inwieweit kann das MCO die Szene noch bereichern? Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: Die Residenz des MCO war überhaupt nur möglich, weil wir in Nordrhein-Westfalen eine so große Dichte international renommierter Häuser haben. Hier finden Sie im Radius einer Fahrstunde mehrere große Konzerthäuser, die hierfür eine Plattform bilden können. Musikalisch hat das MCO im Dialog mit den Konzerthäusern in Essen, Köln und Dortmund ein Programm vorgesehen, dass auch aus Sicht aller Häuser eine zusätzliche Bereicherung darstellt.
NRW hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Strukturwandel erlebt, der auch das Image des Landes stark verändert hat. Inwiefern passt das MCO in dieses Bild? Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: Gerade ein so experimentierfreudiges und interessantes Orchester wie das MCO passt zu der kulturellen Aufbruchstimmung hier in Nordrhein-Westfalen. Mit seinen jungen Musikerinnen und Musikern aus über 20 Nationen steht das Orchester ebenso symbolisch für ein Miteinander der Nationen wie die Ruhrgebietsstädte Essen und Dortmund mit ihrer Einwanderungsgeschichte.
Welche Rolle spielt öffentliche Kulturförderung heute, speziell in Zeiten der Finanzkrise? Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: In Zeiten der Wirtschaftskrise halten viele Kunst und Kultur für einen Luxus. Wir teilen diese Einschätzung nicht. Im Gegenteil. Gerade in Zeiten der Krise brauchen wir mehr Kunst und Kultur, nicht weniger. Deshalb halten wir nach wie vor fest an der Verdoppelung unseres Kulturförderetats.
Abgesehen von der monetären Unterstützung, inwiefern engagiert sich das Land noch für das Residenzprojekt? Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: Das Land hat neben pekuniärer Förderung auch kulturpolitisch die Voraussetzung dafür geschaffen, dass dieses Projekt gelingen konnte: Es hat alle Beteiligten zusammengebracht und wird die Residenz in den kommenden drei Jahren begleiten.
An der Residenz ist neben den drei Konzerthäusern in Dortmund, Essen und Köln auch das Orchesterzentrum|NRW beteiligt. Welche Bedeutung wird der musikalischen Nachwuchsförderung in NRW zugeschrieben? Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff: Eine zentrale und für mich sogar ausschlaggebende Bedeutung! Die Zusammenarbeit des MCO mit dem Orchesterzentrum|NRW bietet künftig eine zusätzliche Chance: Sie beinhaltet, dass die Musikerinnen und Musiker des MCO ihr Können an die Nachwuchsmusiker unseres Landes weitergeben. Dass Studenten die Gelegenheit haben werden, an der Proben-, Konzert- und Gastspieltätigkeit des MCO teilzunehmen, war uns bei diesem Projekt sehr wichtig. Sehr am Herzen liegen uns Projekte wie »Jedem Kind ein Instrument«. Jedem Kind im Ruhrgebiet wird damit ermöglicht, ein Instrument seiner Wahl zu erlernen.