Dialog der Kulturen: Das Mahler Chamber Orchestra gibt mit Constantinos Carydis und Fazil Say sein Debüt beim Athen Festival // 08.07.2010
Am 14. Juli reist das Mahler Chamber Orchestra für ein außergewöhnliches Konzert nach Athen. Programm und Besetzung versprechen einen Dialog der Kulturen, eine lebendige Auseinandersetzung mit west- und südosteuropäischen Musiktraditionen: Unter der Leitung des griechischen Dirigenten Constantinos Carydis und mit dem türkischen Pianisten Fazil Say als Solisten präsentiert das Orchester zeitgenössische türkische und griechische Musik sowie Werke von Ludwig van Beethoven.
Das Konzert beginnt mit Beethovens 3. Klavierkonzert, daraufhin folgt Fazil Says Klavierkonzert Silk Road, anschließend erklingt In Memoriam von Periklis Koukos und zum Abschluss Beethovens 7. Sinfonie.
Unter Beethovens fünf Klavierkonzerten steht einzig das dritte in Moll, weswegen es häufig zu Mozarts Klavierkonzerten KV 466 und 491 in Beziehung gesetzt wird. Was dieser an Neuerung in die Gattung eingeführt hatte, führte Beethoven konsequent weiter, indem er das Klavier dem Orchester als gleichberechtigten Partner gegenüberstellte.
Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur aus dem Jahr 1813 wird gern in einen politisch-historischen Kontext gestellt: die Völkerschlacht bei Leipzig hatte 1813 Napoleons Niedergang eingeleitet, ein halbes Jahr später wurde sein Schicksal mit der Schlacht bei Waterloo besiegelt. Der ehemals glühende Napoleon-Verehrer Beethoven hatte sich bereits von seinem Idol abgewandt und scheint mit der Euphorie versprühenden Sinfonie einen Triumph über den Französischen Kaisers zu feiern. Musikalisch ist die Sinfonie die Fortführung der in der Sinfonie Nr. 6 bereits auskomponierten Stilmerkmale des großen Sinfonikers.
Fazil Say ist künstlerisch auf beiden Seiten des Bosporus beheimatet, er trägt die Traditionen europäischer Klassik in die Türkei und macht die Musik seiner Heimat in ihrer ganzen Vielfalt weltweit bekannt. Sein Klavierkonzert Silk Road nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise entlang der Seidenstraße, der legendären Handelsachse zwischen China und Europa. Die vier Sätze der Komposition erzählen von der Philosophie Tibets, den Tänzen Indiens, dem konfliktbesetzten Aufeinandertreffen unterschiedlicher Religionen in Mesopotamien, bis das Stück schließlich im letzten Satz in Says Heimat Anatolien endet.
Periklis Koukos gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Griechenlands. Sein Werk In memoriam aus dem Jahr 1989 ist dem Andenken des griechischen Komponisten Yannis Andreou Papaioannou gewidmet. Periklis Koukos sagt über seine Komposition: „Dieses Stück ist ein würdevoller Abgesang und ein sehnsüchtiges Gebet an den abwesenden Gefährten, dem alle jungen griechischen Musiker immer verpflichtet sein werden.“
Das Athen Festival bietet seit 1955 alljährlich ein ambitioniertes Programm der darstellenden und bildenden Künste, das griechische und westeuropäische Kunstformen und Künstler zusammenbringt. Das MCO wird mit diesem Konzert zum ersten Mal beim Athen Festival auftreten.
Das MCO, Constantinos Carydis und Fazil Say werden dieses Konzert noch zweimal wiederholen: am 05. September beim Tag der offenen Tür in der Kölner Philharmonie (Partner der MCO Residenz NRW), und am 06. September in Rimini.