Ja, so muss eine "Freischütz"-Ouvertüre klingen! Dunkeltief und bedrohlich, von sonor bronzierten Hörnerfäden durchschossen, bis zur hellen, durchaus glaubensblendenden C-Dur-Entladung im Versöhnungsschluss. Grell und mutwillig, brachial und überschäumend dann in der finsteren Bauernwelt. Lyrisch und zart, jungfraueninnig und ein wenig soubrettengewitzt im Försterhaus bei Agathe und Ännchen. Wild brausend, infernalisch krachend, als akustische Geisterbahn in der Wolfsschlucht, wo die Schrecken des 30-jährigen Krieges und der Pest hausen. Festlich blechgestählt, mit aggressiven Machtuntertönen im fürstlichen Heerlager zwischen Jägerchor und der Verklärung einer besseren Zukunftshoffnung.
Thomas Hengelbrock verfügt über diese Palette, auch wenn er nicht mit seinem Balthasar Neumann Ensemble klangmalt, sondern erstmals mit dem motivierten, prächtigen Mahler Chamber Orchestra. Dass es da bisweilen klappert, stört nicht wirklich. Das sind Anfängerfehler in einer durchaus vielversprechenden Partnerschaft, die Carl Maria von Webers teutonischem Typenkabinett in der Inszenierung von Robert Wilson gar nicht so schlecht anstehen. (...)