Mehr Licht "Tristan und Isolde": Der zweite Akt in der Alten Oper
von Wolfgang Sandner
In der Reihe "Oper konzertant" konnte man in der Frankfurter Alten Oper nun das Vorspiel und (...) den zweiten Aufzug in einer Aufführung erleben, die gleich in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich war. Denn das Mahler Chamber Orchestra, das sich unter seinem ersten Dirigenten Daniel Harding diesem Schlüsselwerk der musikalischen Moderne jetzt zum ersten Mal widmete, wird man kaum als normales Wagner-Orchester bezeichnen können, auch wenn es seine Stammbesetzung von 44 Instrumentalisten jetzt um zwanzig Musiker verstärkte.
Als ideales Wagner-Ensemble wäre es nach diesem Konzert allerdings durchaus einzuschätzen, gerade weil durch die intimere, man könnte auch sagen: individualistische Besetzung gewissermaßen Licht ins Dunkel der Wagnerschen Partitur kommt und alle klangfarblichen Nuancen umso präsenter wirken. (…)
Das Mahler Chamber Orchestra, vor Jahren von Claudio Abbado gegründet und heute den Stamm des grandiosen Lucerne Festival Orchestra bildend, zählt mittlerweile zu den herausragenden jungen Erisembles des klassisch-romantischen Repertoires, das, wie hier deutlich zu hören, auch dem hypertrophen Satz Richard Wagners schlanke Kontur zu geben vermag. Vor allem die fabelhaften Holzbläser (insbesondere die Klarinetten, inklusive Bassklarinette), die souveränen Hörner und die warm timbrierten Blechbläser schufen unter der Leitung des temperamentvollen, buchstäblich raumgreifenden Harding einen fein zurückgenommenen Klang, der das tragische Geschehen umso ergreifender erscheinen ließ.