General Anzeiger // 08.10.2009

Kent Nagano begeistert mit anspruchsvollem Programm

Zum Abschluss des Beethovenfestes spielte das Mahler Chamber Orchestra Werke von Beethoven, Strauss und Brahms

Von Bernhard Hartmann, 5.10.

Bonn. Leicht hat es der Dirigent Kent Nagano seinem Publikum beim Abschlusskonzert des Beethovenfests nicht gerade gemacht. Doch mit dem Charme des Wagemuts zog er die Konzertbesucher, unter die sich auch viele Prominente wie etwa Kurt Masur oder Peer Steinbrück gemischt hatten, in der ausverkauften Beethovenhalle gleichwohl auf seine Seite.
Den Abend eröffneten Nagano und das Mahler Chamber Orchestra mit Beethovens gewaltiger, ursprünglich für Streichquartett geschriebenen Großen Fuge op. 133, die in einer Streichorchester-Fassung von Felix Weingarten erklang. (...)

Die Schroffheiten, Ecken und Kanten der Großen Fuge werden durch Weingartens Orchesterfassung freilich ein wenig gemildert, die Musik springt den Hörer weniger direkt und aggressiv an, was den Zugang aber auch ein wenig erleichtert. Natürlich braucht es dafür eine Streichergruppe, in der jeder ein Virtuose sein muss. Diese Voraussetzungen erfüllte das Mahler Chamber Orchestra an diesem Abend ohne Zweifel.
Unter Naganos konzentrierter Leitung entfalteten die Musiker das Stimmengeflecht mit beeindruckender Klarheit und Transparenz. (...)

In Richard Strauss' "Metamorphosen für 23 Solostreicher", die der Großen Fuge folgten, kreist das musikalische Geschehen um ein Motiv aus dem Trauermarsch der "Eroica". (...) Die Musiker hörten und reagierten aufeinander, luden den weiten Adagio-Bogen mit einer ungeheuren Spannung auf, die sich bis zur bestürzend wirkenden Generalpause steigerte - eine große Tragödie in einem Akt.
Nach der Pause kamen dann die Bläser mit aufs Podium, um Johannes Brahms' erste Sinfonie zu spielen (...). In der langsamen Einleitung (...) suchte Nagano zunächst noch die Atmosphäre der "Metamorphosen" von Richard Strauss mitschwingen zu lassen.

Vor allem die sorgfältige Phrasierung der Holzbläser sorgte hier für einen elegischen Grundton, während die Pauke das musikalische Geschehen mit der Unerbittlichkeit eines drohenden Schicksals vorantrieb. (...)

Wie flexibel der gesamte Apparat zu reagieren imstande ist, zeigte unter anderem die Einleitung zum Finalsatz, in der Nagano den ungewöhnlichen Pizzicato-Anlauf wirkungsvoll beschleunigte. Dass im Orchester aber auch großartige Holzbläsersolisten sitzen, konnte man mehrfach vernehmen. Den begeisterten Beifall hatten sich am Ende alle verdient.

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