Tristan und Isolde - Kritiken in Auszügen // 16.11.2009
Ruhr Nachrichten // 1.11.2009
Im Liebes- und Klangrausch Daniel Harding dirigiert hochemotionalen "Tristan"
von Julia Gaß
Ihm reicht auch ein Dutzend Streicher weniger, um das Publikum mit dem Liebesdrama in einen Rausch zu spielen und Wagner unerhört mächtig und mitreißend laut klingen zu lassen. Der 34-jährige Brite brannte am Freitagabend am Pult des exzellenten Mahler Chamber Orchestras (MCO), bei der konzertanten Aufführung des zweiten "Tristan"-Aktes und Vorspiel im Konzerthaus Dortmund vor Emotionen. Glühend und mit einer gewaltigen Intensität schüttete er unermüdlich Öl ins Feuer, das das NRW-Residenzorchester aus jedem Takt lodern ließ. Lustvoll schaufelte Harding in gewaltigen Klangmassen, wühlte in überbordender Emphase und ließ die Musik schon im Vorspiel vor tiefen romantischen Emotionen überlaufen. Ein aufwühlender, hoch spannender Wagner eines jungen Wilden im Liebes- und Klangrausch. (…) Wie souverän, makellos und ausdrucksvoll in der an Wagner gestählten und geschärften, aber immer sehr biegsamen Stimme war dagegen Waltraud Meier in ihrer Paraderolle als Isolde. Die 53-jährige Mezzosopranistin, auf die die Dortmunder stolz sind, weil sie von 1980 bis 83 Ensemblemitglied der Dortmunder Oper war, scheint in dem Sehnen nach dem Liebestod im Laufe der Jahre immer mehr Farben zu finden. Großartig waren ihre reifen, aber immer noch jugendlich klingenden Darstellungen von Hingabe und Liebeslust. Franz-Josef Selig war ihr ein ebenbürtiger, sehr präsenter König Marke mit einem festen, markigen Bass. Michelle Breedt hat als Brangäne noch Potenzial.
Westfälische Rundschau // 2.11.2009
Mahler Charnber Orchestra intoniert in Dortmund ,,Tristan-Akkord" Ein Hauch von Bayreuth
von Sonja Müller-Eisold
Ein Hauch von Bayreuther Festspiel-Atmosphäre durchweht das Dortmunder Konzerthaus, als das Mahler Chamber Orchestra - zurzeit Residenz-Orchester in NRW unter Daniel Harding den berühmten ,,Tristan-Akkord" intonierte - unaufgelöste Spannung als Ausdruck übersteigerten Gefühls. (…) Eine Starbesetzung wurde für diese konzertante Aufführung aufgeboten. Waltraut Meier sang die Isolde - souverän, in ganz großer Form an diesem Abend. (…) Ihre große ausdrucksvolle Stimme, untadelig geführt, kann die großen Gefühle mit einem ganzen Spektrum an Farben gestalten: Erwartung, Trotz, Hochgefühl, Ekstase, Versinken im Rausch und Mysterium der Liebe. (…) - im wunderschönen Kanon fand sie zu eindrucksvoller Gemeinsamkeit mit John Mac Master, der mit heldischer Kraft, aber etwas unausgeglichen die Tristan-Partie anging - mit bisweilen schönen lyrischen Tönen. (…) Auch Michelle Breedt, die für Mihoko Fujimura einsprang, kann auf Bayreuth- Erfolge hinweisen. Ihr voller, strömender Mezzo füllt den Raum mit Wärme und Nachdruck - warnend sang sie, gut artikulierend, als Brangäne von der Chorempore herab.
Das Mahler Chamber Orchestra ist kein überdimensionales Wagner-Orchester. Danie1 Harding fordert ihm dennoch überbordende Klangpracht ab, aber auch Durchsichtigkeit und Profilschärfe. Im Vorspiel ließ er die aus der Spannung des Anfangsakkords ausschwingenden Klangwogen mit lyrischem Wohlklang und sich steigernder Intensität leuchten. Später, in der Zusammenarbeit mit den Sängern, verlor er mitunter das Gleichgewicht. Die Adagio-Nacht hat auch viel Zartes, verdient bisweilen Ruhe und Zurücknahme. Dennoch: ein großer, stürmisch umjubelter Wagner-Abend.
Frankfurter Rundschau // 3.11.2009
Tristan in der Alten Oper Frankfurt Ein Minne-Manifest
von Bernhard Uske
(…)
In voller Größe war das Mahler Chamber Orchestra in der Alten Oper Frankfurt angetreten, um das Vorspiel und den zweiten Aufzug aus Richard Wagners "Tristan und Isolde" aufzuführen - jenes Klangseismogramm einer todessüchtigen Verschmelzungsphantasie, die den todbringenden Widerstand der Realität braucht, um sich zu erfüllen.
Daniel Harding war der Dirigent des ungemein beweglichen Orchesters, das wie ein Transformator das gesamte Spektrum des großen Minne-Manifests mal sacht gleitend, mal jäh ausbrechend zum Leuchten brachte. Waltraud Meier, der wir die größten Wagner-Erlebnisse der letzten Jahre verdanken, war das alles überragende Zentrum des Geschehens. Ihre Isolde ist nach wie vor das Maximum existentiellen Ernstes und von einer Gestaltungsintensität, die bis zu den das Orchester selbst in seinen mächtigsten Eruptionen übertrumpfenden Fortissimo-Höhen reicht. (…)
Recklinghäuser Zeitung // 3.11.2009
Wagner-Wunder im Konzerthaus Waltraud Meier und das Mahler Chamber Orchestra triumphieren mit konzertantem ,,Tristan"
von Bernd Aulich
Konzertante Opernaufführungen sind eine heikle Sache. Fesselnde Sogkraft entfacht das Gesamtkunstwerk Oper in aller Regel erst auf der Bühne. Doch im Konzerthaus Dortmund glückte mit der Ouvertüre und dem zweiten Akt aus Wagners ,,Tristan und Isolde' ein packendes Wagner-Wunder. (…) Nun ist der zweite Akt Dreh- und Angelpunkt in den Liebesekstasen einer entfesselten Leidenschaft in Todesnähe. Ihn separat aufzuführen, macht Sinn. (…) Und dieses Seelendrama entfacht auch auf dem Konzertpodium mitreißende Wir- kung - wenn die Isolde Waltraud Meier heißt und mit dem Mahler Chamber Orchestra ein vom Alltagsbetrieb unbelasteter, begeisterungsfähiger junger Klangkörper unter seinem inspirierenden Chefdirigenten Daniel Harding Wagners Klangkosmos neu entdeckt.
Für Waltraud Meier war der Auftritt so etwas wie eine Heimkehr. (…) Mit minimalen Gesten entfaltet sie im Konzerthaus Bühnenpräsenz. Glanz, Pracht und Fülle ihrer leidenschaftlichen Interpretation sind schwerlich zu überbieten. Phänomenal, wie punktgenau fokussiert jeder Ausbruch, jeder Spitzenton sitzt. (…). Mit berstender Intensität lädt Daniel Harding Wagners Seelendrama auf. Mit der Neugier eines Novizen entdeckt er in Wagners Chromatik suggestive Faszination. Und dem Orchester entlockt er Feinheiten, die in Opernhäusern manchmal untergehen. (…) Das Publikum zeigte sich hingerissen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung // 05.11.2009
Mehr Licht "Tristan und Isolde": Der zweite Akt in der Alten Oper
von Wolfgang Sandner
In der Reihe "Oper konzertant" konnte man in der Frankfurter Alten Oper nun das Vorspiel und (...) den zweiten Aufzug in einer Aufführung erleben, die gleich in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich war. Denn das Mahler Chamber Orchestra, das sich unter seinem ersten Dirigenten Daniel Harding diesem Schlüsselwerk der musikalischen Moderne jetzt zum ersten Mal widmete, wird man kaum als normales Wagner-Orchester bezeichnen können, auch wenn es seine Stammbesetzung von 44 Instrumentalisten jetzt um zwanzig Musiker verstärkte.
Als ideales Wagner-Ensemble wäre es nach diesem Konzert allerdings durchaus einzuschätzen, gerade weil durch die intimere, man könnte auch sagen: individualistische Besetzung gewissermaßen Licht ins Dunkel der Wagnerschen Partitur kommt und alle klangfarblichen Nuancen umso präsenter wirken. (…)
Das Mahler Chamber Orchestra, vor Jahren von Claudio Abbado gegründet und heute den Stamm des grandiosen Lucerne Festival Orchestra bildend, zählt mittlerweile zu den herausragenden jungen Esembles des klassisch-romantischen Repertoires, das, wie hier deutlich zu hören, auch dem hypertrophen Satz Richard Wagners schlanke Kontur zu geben vermag. Vor allem die fabelhaften Holzbläser (insbesondere die Klarinetten, inklusive Bassklarinette), die souveränen Hörner und die warm timbrierten Blechbläser schufen unter der Leitung des temperamentvollen, buchstäblich raumgreifenden Harding einen fein zurückgenommenen Klang, der das tragische Geschehen umso ergreifender erscheinen ließ. (…)
Corriere della Serra
di Alessandro Taverna
(…) Nella notte che si è prolungata per l’intera storia della musica venuta dopo Wagner, il maestro inglese si avventurava con circospezione, ad occhi bene aperti. Era dissipato il buio più spesso perchè dai giovani musicisti della formazione fondata da Abbado proveniva un suono alleggerito nel colore, lieve nell’intervento degli ottoni, con il timbro degli archi e dei legni pronto a stemperararsi in una melanconia senza colore, a cui abbandonare il canto di un amore che non conosce più passione, perchè ha già riconosciuto quel che si trova in un mondo altrove. (…)
Versione musicale inquieta, intrepida, condivisa fino all’ultima battuta dall’orchestra dinnanzi alla quale si presentavano i cantanti. (…)Alla fine al Teatro Comunale di Ferrara un’ora a mezza di musica, dieci minuti di applausi dal pubblico in visibilio – che non pretendeva certo un bis, impossibile – per direttore, orchestra e solisti erano le misure esorbitanti e più eloquenti della portata dell’evento.
www.classiqueinfo.com // 12.11.2009
Combien font Tristan et Iseult divisés par 3?
par Thomas Rigail
(…)
La direction de Harding privilégie l’homogénéité des textures et du déroulement dramatique, dans un esprit presque classique : tout l’acte est porté par une certaine urgence (les tempos sont globalement vifs) qui ne déborde néanmoins jamais sur la passion ou l’exubérance, mais s’en tient à un souffle presque constant et égal. Le résultat est un équilibre général qui se réalise dans le détail orchestral mais qui débouche malheureusement sur un manque de différenciation des séquences qui fait perdre à certains passages leur caractère et parfois leur impact dramatique. (…). A d’autres moments, Harding parvient à des réussites remarquables : par exemple, le début de la troisième scène, qui affiche dans beaucoup d’exécutions une difficulté à relancer la dramaturgie après le duo de Tristan et Iseult, est ici très bien donné par des violoncelles acérés (…). Plus que sur la direction d’ensemble, c’est sur la qualité de l’instant musical qu’il faudrait s’attarder : le chef ayant le bon sens de s’appuyer sur les bois de son orchestre, remarquables dans l’exécution et étonnants dans leurs timbres - notamment l’exceptionnelle hautbois solo Mizuho Yoshii à la sonorité remarquablement douce - et sur des cordes réduites (12/10/8/6), il donne à l’orchestration wagnérienne une teinte boisée inhabituelle et en fait ressortir de nombreux détails notamment rythmiques qui disparaissent chez d’autres dans les flots de cordes et les interventions des cuivres - cuivres qui sont un peu en-deçà, avec des cors parfois approximatifs, mais qui sont dans cette approche le plus souvent au second plan. Cette transparence du détail instrumental et de la polyphonie, qui ne manquera pas de surprendre au détour de nombreux motifs habituellement inaudibles ou dont le phrasé disparaît dans l’orchestration alors qu’ils apparaissent ici avec une évidence tout à fait rare, fait la véritable force de cette direction, plus que la conception générale qui atteint certaines limites par son caractère univoque. Le prélude de l’opéra donné avant le deuxième acte, pourtant annonciateur des qualités instrumentales d’un deuxième acte bien meilleur, manquait ainsi singulièrement de caractère et de force. Pour donner un grand Tristan, il faut un peu plus de... de quoi au juste ? Une forme de transcendance, sans doute, à la hauteur du vertige de cette partition, une capacité à concilier la précision de la direction avec un refus de toute trivialité et un abandon aux profondeurs expressives de l’œuvre. Mais le Tristan de Daniel Harding, souvent intriguant, presque toujours maîtrisé, soutenu par des instrumentistes hors-pairs (rappelons une dernière fois l’excellence de la petite harmonie), et tiré vers le haut par deux performances vocales du plus haut niveau actuel, reste une indéniable réussite.