Spannend und temporeich erzählt Henrik Ibsen in seinem Drama Peer Gynt die Odyssee des norwegischen Bauernsohns und Titelhelden, der auf der Suche nach sich selbst durch die Welt irrt und nach einer Serie von Selbsttäuschungen, Verlusten und schmerzlichen Erfahrungen zu seiner finalen Läuterung findet. Das Stück gilt als norwegisches Nationalepos - seine Beliebtheit verdankt es nicht zuletzt der Musik von Edvard Grieg. Auf Anfrage des Dichters komponierte Grieg 1874-1876 die Schauspielmusik zur Bühnenversion des Dramas, und schuf damit eine äusserst facettenreiche und emotionale Tonmalerei. Einige besonders eingängige Nummern, wie etwa die leuchtende Morgenstimmung oder das rhythmisch stampfende In der Halle des Bergkönigs, gerieten zu regelrechten Hits, die heute auch gerne in Werbespots oder als Handy-Klingeltöne verwendet werden.
Mit diesem Projekt bietet das MCO die seltene Gelegenheit, die komplette Bühnenmusik mit ihrem weiten Spektrum an Arien, Melodramen, Chören und großen sinfonischen Zwischenspielen zu hören und dabei auch zu erleben, wie die erwähnten "Ohrwürmer" in ihrem ursprünglichen Kontext wirken. Dazu hat Alain Perroux Ibsens Drama auf Konzertlänge gekürzt und so eingerichtet, dass es mit zwei Schauspielern vorgetragen werden kann. Tilo Werner spricht die Stimme von Peer Gynt, während Sunnyi Melles die Rollen sämtlicher Gestalten in Peers Leben übernimmt. Die Texte werden in Deutsch vorgetragen (Übersetzung Erika Diehl), die Gesangsnummern bleiben jedoch in der norwegischen Originalsprache. "Meine Textbearbeitung soll einen globalen Eindruck des dramatischen Gedichts von Ibsen vermitteln", so Alain Perroux, "Die Umsetzung ins Melodramatische folgt den Anweisungen von Grieg und Ibsen. Dabei wurde darauf geachtet, dass das ganze Werk auch für Hörer verständlich bleibt, die weder eine Bühnenaufführung noch eine Übersetzung der norwegisch gesungenen Texte kennen."
Das Konzert wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen in allen drei Städten der MCO-Residenz NRW gespielt: Nach dem Auftakt in Essen, wo das Programm einstudiert wurde, folgen die Aufführungen in Köln und Dortmund. Die seit 2009 bestehende MCO-Residenz in NRW endet mit dieser Saison. Das nächste der insgesamt vier Residenzprojekte dieser letzten Saison findet im Dezember unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada statt. Das MCO Academy-Konzert 2013 wird von Pablo Heras-Casado geleitet. Den Abschluss der Residenz macht im Mai und Juni 2013 MCO Conductor Laureate Daniel Harding mit Werken von Hans Werner Henze und Robert Schumann.
Speichern Sie diesen Termin in Ihrem Kalender: 06.10.2012