MCO Academy Konzerte - Review excerpts (German) // 27.11.2009
Kölner Stadtanzeiger // 5.11.2009
Stille und rauschende Heiterkeit Mahler Chamber Orchestra in der Philharmonie
von Gerhard Bauer
Es ist ein Glück, dass sich immer wieder Musiker finden, die dem Violinkonzert von Beethoven seine Würde und Größe zurückgeben, und in der Kölner Philharmonie waren es diesmal das Mahler Chamber Orchestra (MCO), der Dirigent Daniel Harding und der Solist Renaud Capucon. (…) Nichts Zirzensisch-Grelles aber bei Harding und Capucon. Sie scheuten sich nicht, den strengen und langen ersten Satz mit einem Grundzeitmaß auszustatten und gewannen der Klassik wieder Architektur, Schönheit und Logik. Sie schenkten dem Larghetto Süße ohne Sentimentalität und formten das Finale zu einer stillen und rauschenden Apotheose der Heiterkeit. (…). Im zweiten Teil des begeisternden Abends gab es Strawinskys "Le Sacre du Printemps". Für dieses Großwerk der Modeme war das MCO durch Studierende seiner angeschlossenen Academy zur knappen Hundertschaft erweitert worden und überrumpelte mit einer glänzenden Aufführung, einer Demonstration von höchster Konzentration, Klangkultur und Musizierlust. (…). Der Jubel in der Kölner Philharmonie kam im gesteigerten Forte und wurde mit jenem Tusch belohnt, den Strawinsky zum 80. Geburtstag von Pierre Monteux., dem Uraufführungsdirigenten des „Sacre", komponiert hatte: dem "Greeting Prelude" von 1955.
Kölner Rundschau // 5.11.2009
Alle Ordnung außer Kraft gesetzt Das Mahler Chamber Orchestra begeisterte mit Spiellust und Energie
von Hanna Styrie
Die spieltechnischen Herausforderungen sind enorm; Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps" mit seinen Dissonanzen, seinen irregulären Rhythmen und seiner archaischen Expressivität verlangt engagierte, hochkonzentrierte Musiker und einen umsichtigen Dirigenten. Das junge Mahler Chamber Orchestra (MCO), das mit seinem Leiter Daniel Harding in der Philharmonie konzertierte, ließ nicht nur bei Strawinskys epochalem Werk die Muskeln spielen. Das MCO verlieh auch Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 kräftige Konturen. (…). Zu großer Form liefen die Musiker dann bei Strawinsky auf. (…). Daniel Harding hielt das Orchester sicher auf Kurs und drosselte gelegentlich geschickt die fast barbarische Spiellust. Beim «Opfertanz« ging er zum Schluss noch mal aufs Ganze – und erntete dafür den entsprechenden Jubel.
Westfälische Rundschau // 5.11.2009
Mystisch schöner Klangzauber im Konzerthaus
von Sonja Müller-Eisold
Es war ein Experiment. Aber es ging glänzend auf. Das Mahler Chamber Orchestra, für drei Jahre Residenzorchester in Nordrhein-Westfalen mit Aufführungen in Dortmund, Essen und Köln, nimmt Studierende des Orchesterzentrums NRW in seine Reihen auf - für ein jährliches gemeinsames Konzert unter dem Namen MCO Academy.
Die erste Veranstaltung fand im Konzerthaus statt. 15 angehende Orchestermusiker(innen) integrierten sich in den speziellen Klangkörper des Weltklasseorchesters und hatten erfolgreichen Anteil. (…). Zu orgiastischen Exzessen steigerte Harding dann Igor Strawinskys „Le sacre du printemps". Diese wilde Ballettmusik fordert alle Kräfte des Orchesters. Harding musiziert akzentbetont, schärft die Klänge und die Motorik, jagt seine Musiker in kompromisslose Entäußerungen, führt sie aber auch in mystisch schönen Klangzauber. Er macht die Substanz dieser Musik und ihre Bilder erlebbar - im Klangrausch und im Klangspektakel. Mit einer Strawinsky-Fassung des ,,Geburtstagsliedes" ehrte er charmant einen Zuschauer, der wirklich an diesem Tag Geburtstag hatte.
Ruhr Nachrichten // 05.11.2009
Rhythmus-Orgie mit einer Überdosis Adrenalin Konzert: Hardings ,,Sacre“ in Dortmund
von Julia Gaß
Wie zahm, einfühlsam und ruhig kann dieser Daniel Harding, der sonst beim Dirigieren die ganze Welt zu umarmen scheint, ein Orchester leiten, wenn es der Solist fordert. Renaud Capucon, Exklusivkünstler des Dortmunder Konzerthauses, hat sich mit Beethovens Violinkonzert einen Kindertraum erfüllt, das Werk gerade auf CD eingespielt. Am Dienstag präsentierte er sich damit im Konzerthaus mit Hardings Mahler Chamber Orchestra vor allem in den rasanten, hochvirtuosen Kadenzen als technischer Souverän, als konzentrierter Gestalter, der an Beethoven den Mozartton liebt. (…) und Harding feierte mir seiner Interpretation des Kolosses (Strawinskys "Sacre du printernps", Anm. d. R.) eine Klangorgie, die wie ein Orkan über das Publikum hinwegzog. In den Darstellungen rhythmischer Energie ist Harding ganz Rattles Zögling. da ließ er das Orchester, in das 15 Studierende des Orchesterzentrums NRW gut integriert waren, wild durch die Partitur galoppieren, schüttete die Überdosis Adrenalin, die ihn am Pult zu Höchstleistungen trieb, ins Publikum. Nicht mit dem Taktstock, mit Fäusten. Handkanten und dem ganzen Körper dirigierte der sportive Brite den heidnischen Opfertanz, grub Klänge aus dem Bauch der Erde aus, ließ Akkorde wie Fallbeile zucken. Nur vier Streicher mehr als Bläser und Schlagwerker hatte Hardings Orchester, das dadurch noch schärfer klang. Mehr Aufputschmittel kann Musik kaum sein.