Fazil Say
14 Jul / Mit    21:30
Megaron, Christos Lambrakis Concert Hall
Athen / Hellenic Festival / Athens Festival / tel +30 210 32 72 000 / / www.greekfestival.gr

Ludwig van Beethoven Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll op. 37
Fazil Say
Silk Road
Periklis Koukos
In Memoriam
Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 7 in A-Dur op. 92
Dirigent Constantinos Carydis / Klavier Fazil Say


Going East…

In Westeuropa seit 1997 aktiv, hat sich das MCO in den letzten Jahren verstärkt den Staaten Ost- und Südosteuropas zugewandt und gastierte mit großem Erfolg in Moskau, Budapest, Thessaloniki und Athen. Nun erfolgt das Debüt beim traditionsreichen Athen Festival. Programm und Besetzung versprechen eine lebendige Auseinandersetzung mit west- und südosteuropäischen Musiktraditionen: europäische Klassik (vertreten durch Ludwig van Beethoven) trifft auf zeitgenössische türkische und griechische Komponisten (mit Fazil Say und Periklis Koukos stehen zwei der wichtigsten Repräsentanten türkischen und griechischen Musiklebens auf dem Programm). Die musikalische Leitung hat der griechische Dirigent Constantinos Carydis, Solist des Abends ist der türkische Pianist Fazil Say.

Beethoven konzipierte sein 3. Klavierkonzert bereits 1800, uraufgeführt wurde es im April 1803 in Wien. Unter Beethovens fünf Klavierkonzerten steht einzig das dritte in Moll, weswegen es häufig zu Mozarts Klavierkonzerten KV 466 und 491 in Beziehung gesetzt wird. Was dieser an Neuerung in die Gattung eingeführt hatte, führte Beethoven konsequent weiter, indem er das Klavier dem Orchester als gleichberechtigten Partner gegenüberstellte. Auch mit der sehr unterschiedlichen Verwendung der Instrumentengruppen in den drei Sätzen entwickelte Beethoven die Gattung in erheblichem Ausmaß weiter. So dominieren im ersten Satz die großflächigen Klangflächen der großen Orchesterbesetzung, wo im zweiten die Bläserbesetzung minimiert und die Streicher gedämpft sind. Zum Vorbild für die Klavierkonzertliteratur des 19. Jahrhunderts wurde das Werk durch einen besonderen Kunstgriff: Am Ende des dritten und letzten Satzes überführt Beethoven das sich beständig steigernde Thema in strahlendes D-Dur und verleiht dem Konzert damit nahezu narrative Züge.

Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur wurde am 8. Dezember 1813 unter der Leitung des Komponisten in der Aula der Wiener Universität uraufgeführt. Interpretiert wurde sie unter anderem als Darstellung eines Winzerfestes und als musikalische Umsetzung einiger Mignon-Szenen aus Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre. Gern wird sie auch in einen politisch-historischen Kontext gestellt: 1813 begannen sich Europas politische Verhältnisse gänzlich neu zu ordnen. Die Völkerschlacht bei Leipzig hatte gerade Napoleons Niedergang eingeleitet, ein halbes Jahr nach der Uraufführung wurde sein Schicksal mit der Schlacht bei Waterloo besiegelt. Der ehemals glühende Napoleon-Verehrer Beethoven hatte sich bereits von seinem Idol abgewandt und scheint mit der Euphorie versprühenden Sinfonie einen Triumph über den im Untergang begriffenen Despotismus des Französischen Kaisers zu feiern. Musikalisch ist die Sinfonie die Fortführung der in der Sinfonie Nr. 6 bereits auskomponierten Stilmerkmale des großen Sinfonikers, neu dagegen ist die Stärke des subjektiven Ausdrucks, die Vehemenz, mit der Beethoven ein „Sinfonisches Ich“ (vergleichbar dem „Lyrischen Ich“ in der Literatur) formulierte.

Fazil Say ist künstlerisch auf beiden Seiten des Bosporus beheimatet, er trägt die Traditionen europäischer Klassik in die Türkei und macht die Musik seiner Heimat in ihrer ganzen Vielfalt weltweit bekannt. Sein Konzert für Klavier und Kammerorchester Silk Road nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise entlang der Seidenstraße, der legendären Handelsachse zwischen China und Europa. Die vier durch einen chinesischen Gong miteinander verbundenen Sätze (gleichsam Stationen einer Karawane) erzählen von der Philosophie Tibets, den Tänzen Indiens, dem konfliktbesetzten Aufeinandertreffen unterschiedlicher Religionen in Mesopotamien, bis das Stück schließlich im letzten Satz in Says Heimat Anatolien, der „Mutter der Erde“, endet. Die Musik zitiert ausgiebig die musikalischen Traditionen der Reisestationen, indische Tänze sind ebenso eingeflossen wie arabische Folklore und anatolische Lieder.

Periklis Koukos gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Griechenlands und spielt auch als künstlerischer Leiter des Nationalkonservatoriums eine herausragende Rolle im griechischen Musikleben. Sein Werkkatalog umfasst Opern, Theatermusiken, Orchesterwerke und Kammermusik.

Das Athen Festival bietet seit 1955 alljährlich ein ambitioniertes Programm der darstellenden und bildenden Künste, das griechische und westeuropäische Kunstformen und Künstler zusammenbringt. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen zeitgenössischen Kunstauffassungen aller Genres bestimmte von Anfang an das artifizielle Profil des Festivals. Das MCO-Konzert findet im Megaron statt, wo das Orchester zuletzt im Herbst 2008 auftrat. Die multifunktionale Konzerthalle wurde 1991 nach langer Planungsphase eröffnet und gilt als eine der renommiertesten Auftrittsorte für Musiker aus aller Welt. Neben Sinfonie- und Kammerkonzerten werden hier auch Ausstellungen, internationale Konferenzen und andere kulturelle Events veranstaltet.



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14.07.2010
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