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Gabriel FauréPelléas et Mélisande op. 80 (Suite) Ernest ChaussonPoème de l’amour et de la mer op. 19 Richard WagnerWesendonck-Lieder Maurice RavelMa mere l’oye (Suite) Dirigent Matthias Pintscher/ Sopran Yvonne Naef
Von der Liebe
„Eros“ lautet das Motto des LUCERNE FESTIVAL im Sommer 2010. Dabei dominiert an diesem Abend die unerfüllte oder unerlaubte Liebe, wie in Wagners Wesendonck-Liedern, die er 1857/1858 im Schweizer Exil nach Gedichten von Mathilde Wesendonck komponierte. Bereits 1852 lernte er seine künstlerische Muse Mathilde kennen, die Frau von Otto Wesendonck, einem wohlhabenden Seidenhändler, der Wagner finanziell und ideell unterstützte. Zwischen den beiden entwickelte sich eine tiefe Seelenfreundschaft und ihre Beziehung war geprägt von unerfüllter Sehnsucht zueinander. Mit der Vertonung ihrer Gedichte setzte Wagner seiner Liebe zu Mathilde ein musikalisches Denkmal. Mathilde sowie die Dreieckssituation zwischen ihm und dem Ehepaar Wesendonck inspirierte ihn letztlich auch zu seiner Oper Tristan und Isolde. Die Beziehung bestand bis Wagners Frau Minna einen Brief Wagners an Mathilde abfing und einen Bruch provozierte.
Ein großer Bewunderer Wagners war Ernest Chausson. Sein Poème de l’amour et de la mer op. 19 hat er zwischen 1882 und 1892 nach den Gedichten „La fleur des eaux“ und „La mort de l'amour“ von Maurice Bouchor, einem Freund Chaussons, komponiert. Der Liederzyklus für Sopran und Orchester besteht aus zwei Teilen mit einem Orchesterzwischenspiel und wurde am 21. Februar 1893 in Brüssel uraufgeführt.
Um die todgeweihte Liebe der beiden Titelgestalten geht es in Gabriel Faurés Pelléas et Mélisande op. 80. Die etwa 20-minütige Suite folgt der Struktur der Bühnenmusik und wurde 1901 erstmals aufgeführt. Mélisande heiratet Golaud, einen bretonischen Prinzen. In dessen Abwesenheit verliebt sie sich jedoch in dessen Bruder, Pelléas, der ihre Liebe erwidert. Als Golaud zurückkehrt und erkennt, dass seine Frau und sein Bruder sich heimlich lieben, tötet er erst Pelléas und dann Mélisande.
Romantischer hingegen gestaltet sich die Handlung von Maurice Ravels Ma mère l’oye. Die Suite, 1911 in Paris uraufgeführt, ist die Überarbeitung eines Klavierstücks zu vier Händen, das Ravel 1908 für die Kinder eines befreundeten polnischen Ehepaars schrieb. Die 5 Stücke der Konzertfassung erzählen fünf Märchen: Dornröschen, Kleiner Däumling, Laideronette Kaiserin der Pagoden, Die Schöne und das Biest und Der Feengarten.
Leiter des Konzerts ist Matthias Pintscher, zu dem das MCO eine besondere Beziehung pflegt: 2006 war Pintscher „composer-in-residence“ beim LUCERNE FESTIVAL und das MCO spielte die Uraufführung seines Transir für Flöte und Kammerorchester. Nun wird die Tradition des MCO, in Luzern von einem dirigierenden Komponisten geleitet zu werden, fortgeführt.
Die Sängerin des Abends ist die Schweizer Opern- und Konzertsängerin Yvonne Naef, wohl eine der gefragtesten dramatischen Mezzosopranistinnen der Gegenwart. Sie studierte in Zürich, Basel und Mannheim und erreichte den internationalen Durchbruch 1994 in einer Neuproduktion der Oper Anna Bolena von Gaetano Donizetti als Giovannna Seymour am Opernhaus von Monte Carlo sowie 1995 mit der Giulietta in Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach an der Scala in Mailand.