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Konzert   Oper   
Mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung
02 Okt / Sam    19:00
Festspielhaus Baden-Baden
Baden-Baden / Festspielhaus Baden-Baden / tel +49 7221 3013101 / info@festspielhaus.de / www.festspielhaus.de

Toshio Hosokawa Sternlose Nacht (Uraufführung)
Gustav Mahler
Das Lied von der Erde
Dirigent
Kent Nagano/ Mezzosopran Mihoko Fujimura / Sopran Sally Matthews/ Tenor Michael Schade/ Bariton Michael Volle/ Chor WDR Rundfunkchor Köln


Sternlose Nacht & Das Lied von der Erde

Der Horizont der musikalischen Möglichkeiten ist niemals ausgeschritten, davon ist das MCO überzeugt. Zeitgenössische Musik und Uraufführungen stehen deshalb seit seiner Gründung 1997 regelmäßig auf dem Programm des Orchesters. Nun geht das MCO noch einen Schritt weiter: Erstmals in seiner Geschichte konnte es, unterstützt von der Ernst von Siemens Musikstiftung, selbst ein Werk in Auftrag geben. Das Orchester wählte den Komponisten Toshio Hosokawa, der 1955 in Hiroshima geboren wurde, in Deutschland studierte, und heute in Nagano in Japan lebt. Er schreibt für das MCO ein oratorisches Werk mit dem Titel Sternlose Nacht, das neben dem Orchester zwei Solistinnen und einen Chor verlangt.

Sternlose Nacht folgt der Idee eines Jahreszeitenzyklus. In ihn sind wie Zwischenrufe Erinnerungen an menschlich-kulturelle Tragödien einkomponiert: ein Memento an die Zerstörung Dresdens, die im Monat Februar geschah, ein Gedenken an den Atombombenabwurf auf Hosokawas Geburtsstadt Hiroshima im August. Für die gesungenen Partien wählte der Komponist unter anderem Lyrik von Georg Trakl aus.

Dieser Uraufführung wird in der zweiten Konzerthälfte ein Werk des Orchester-Namensgebers Gustav Mahler gegenübergestellt: Das Lied von der Erde. Mahler komponierte diese „Symphonie für eine Tenor- und eine Altstimme und Orchester“ ziemlich genau hundert Jahre bevor sich Toshio Hosokawa an die Arbeit zu Sternlose Nacht machte: Das Lied von der Erde wurde im November 1911 uraufgeführt – ein halbes Jahr nach Mahlers Tod.

Als Textvorlage nahm Mahler alte chinesische Gedichte, die Hans Bethge ins Deutsche übertragen hatte: 1. Das Trinklied vom Jammer der Erde, 2. Der Einsame im Herbst, 3. Von der Jugend, 4. Von der Schönheit, 5. Der Trunkene im Frühling, 6. Abschied.

„Ich weiss es selbst nicht zu sagen, wie das Ganze benamst werden könnte“, schrieb Mahler während der Komposition an seinen Freund, den Dirigenten Bruno Walter, „Mir war eine schöne Zeit beschieden und ich glaube, dass es wohl das Persönlichste ist, was ich bis jetzt gemacht habe.“ Als Mahler am Lied von der Erde arbeitete, wusste er bereits um die schwere Herzerkrankung, die zu seinem Tod führen sollte. Er vermied es, dieses Werk als seine neunte Sinfonie zu bezeichnen – nicht zuletzt, um das Schicksal zu überlisten, das Komponisten wie Beethoven und Bruckner nur neun Sinfonien gestattet hatte…

Im Herbst 1910 übergab Mahler die Partitur an Bruno Walter, der ein Jahr darauf die Uraufführung leitete. „Die Erde ist im Entschwinden, eine andere Luft weht herein, ein anderes Licht leuchtet darüber, und so ist es ein völlig neues Werk Mahlers, hat einen neuen Kompositionsstil, eine neue Art der Erfindung, der Instrumentation, der Satztechnik“, hielt Bruno Walter zu dieser Musik fest, „Hier wird, während die Welt unter ihm wegsinkt, das Ich selbst zum Erlebnis, eine Gefühlskraft ohne Grenzen entfaltet sich in dem Scheidenden; (…) – das Lied von der Erde ist der persönlichste Laut in Mahlers Schaffen, vielleicht in der Musik.“

Die Gegenüberstellung von Hosokawas Uraufführung und Mahlers zukunftsweisendem Spätwerk verspricht eine spannende Begegnung zu werden. Zudem führt das Konzert im Festspielhaus Baden-Baden verschiedene Wiedersehen herbei: Toshio Hosokawa war 2006/07 Composer in Residence beim Deutschen Symphonie Orchester Berlin (DSO) und 2006-08 beim WDR Rundfunkchor Köln, der nun bei der Uraufführung von Sternlose Nacht mitwirkt. Die Leitung des Konzertes übernimmt der ehemalige Chefdirigent des DSO Kent Nagano. Mit dem MCO arbeitete Nagano zuvor in München, Bonn und Madrid.

Das Konzert wird vom WDR Radio aufgezeichnet.

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02.10.2010