Anja Harteros
03 Okt / Son    19:00
Grand Auditorium
Luxembourg / Philharmonie Luxembourg / tel +352 263 226 32 / tickets@philharmonie.lu / www.philharmonie.lu

Giuseppe Verdi Otello (konzertant)
Dirigent
Daniel Harding/ Otello Ben Heppner/ Desdemona Anja Harteros/ Jago Franco Vassallo/ Cassio Alexey Dolgov/ Emilia Christina Daletska/
Rodrigo Emanuele Giannino/ Lodovico Stanislav Shvets/ Montano und Herold Giovanni Guagliardo/ Chor WDR Rundfunkchor Köln, Petits Chanteurs de Strasbourg, Maîtrise de l’Opéra national du Rhin


MCO-Debüt beim Luxembourg Festival

Im Anschluss an die Aufführung in Baden-Baden gehen das MCO und Daniel Harding mit Otello auf Tournee. Nächste Station ist das Luxembourg Festival, das jedes Jahr im Herbst herausragende Produktionen aus Oper, Schauspiel, Tanztheater und Konzert präsentiert. 2010 reicht die Liste der eingeladenen Künstler von Cecilia Bartoli und Ian Bostridge über das Ballett des Bolschoi-Theaters und die Michael Clark Company bis hin zu Emmanuelle Béart. Das London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis, New York Philharmonic unter Alan Gilbert sowie das Ensemble Modern und weitere große internationale Orchester sind ebenso zu Gast wie Sonny Rollins, Joshua Redman und Thomas Quasthoff. Für das MCO ist es der erste Auftritt in Luxemburg überhaupt. Spielort ist die 2005 eingeweihte Philharmonie, die sich nicht nur mit überzeugenden Programmen, sondern auch mit elaborierten Musikvermittlungsaktivitäten (kostenlose Abendprogrammhefte, Einführungsvorträge, Künstlergespräche, Filmvorführungen und zahlreiche andere Begleitveranstaltungen) profilieren konnte.

Am 3. Oktober 2010 spielt das MCO unter der Leitung Daniel Hardings eine konzertante Aufführung der Verdi-Oper Otello. Die drei Hauptpartien werden von Ben Heppner (Otello), Anja Harteros (Desdemona) und Franco Vassallo (Jago) gesungen.

1887, fünfzehn Jahre nach der Uraufführung von Aida, meldete sich Giuseppe Verdi unerwartet mit einer neuen Oper zurück. Der italienische Komponist hatte sich, politisch und künstlerisch desillusioniert, auf sein Landgut zurückgezogen, um sich ganz der Verwaltung seiner Güter zu widmen. Mit der Oper wollte er abgeschlossen haben: „Ich würde doch nur wieder zu hören bekommen, ich könne nicht schreiben und sei ein Nachläufer Wagners“, hatte er in einem Brief an die Gräfin Maffei 1878 erklärt. Sein Verleger Giulio Ricordi versuchte trotzdem mit allen möglichen Tricks, Verdis Interesse an der Oper wiederzuerwecken; was schließlich durch das Otello-Libretto Arrigo Boitos gelang. Obwohl von dessen Qualität beeindruckt, zögerte Verdi dennoch, selbst wieder zur Feder zu greifen. Die Gründe dafür scheinen komplex, an Franco Faccio schreibt er Anfang 1880 (im Juni des Vorjahres hatte er Boitos Libretto zum ersten Mal zu lesen bekommen): „Der Zustand des Kranken (der italienischen Oper. Anm.d.Red), den sie meinen, ist zu schwer (…) Das Publikum ist irregeführt und liebt das Theater nicht mehr mit der Hingebung von einst. Verführt von ebenso großen wie sinnlosen Schlagworten, schluckt es die Langeweile anderswo unter dem Titel „Große Kunst“.“ Verdi haderte mit der Oper, mit ihren überlebten Formzwängen, er haderte mit der Theaterpraxis und er haderte mit dem Publikum, das er „ignorant“, „launisch“ und „ungerecht“ nannte. Trotzdem hatte er der Gattung nicht wirklich abgeschworen: Nicht nur dirigierte er einige seiner Werke während dieser Jahre, er unterzog auch seine früheren Werke Simon Boccanegra und Don Carlos einer gründlichen Überarbeitung. Dass er außerdem die Arbeit an Otello aufgenommen hatte, wussten nur wenige Menschen seines Umfelds, und diejenigen, die es wussten dürften sich kaum darüber im Klaren gewesen sein, dass Verdi mit Otello der italienischen Oper des neunzehnten Jahrhunderts ihren Höhepunkt bescheren würde.

Formal verweisen viele Merkmale des Otello auf die tradierte Form der romantischen italienischen Oper: eine Introduktion mit dem chorisch gerahmten Auftritt des Helden, Duette, die den ersten und zweiten Akt beschließen, eine „Preghiera“ für die Heldin und eine finale (Doppel-)Sterbeszene. All diese Gattungskonventionen werden benutzt, jedoch bewusst unterwandert; die Literatur spricht hier von „Dekomposition“. Als Beispiel kann Verdis Umgang mit den Arien genannt werden: deutlich von einander getrennt, werden sie kompositorisch dennoch zu einem Ganzen verbunden, wodurch der Handlungsverlauf folgerichtiger und dramaturgisch plausibler wird. In diesem Zusammenhang wird auch klar, inwiefern Boitos Libretto sich kongenial zur Komposition verhält (oder umgekehrt?): die durch unzählige Nebenstränge komplex gestaltete Tragödie Shakespeares reduzierte Boito um rund zwei Drittel auf die Essenz, das Eifersuchtsdrama, indem er die Handlung im Wesentlichen auf das Dreigestirn Otello, Desdemona und vor allem Jago, dessen Bekenntnis zu rückhaltloser Schlechtigkeit (das berühmte Credo) in die Operngeschichte eingehen sollte, konzentrierte. Die drei Partien gelten als die anspruchsvollsten des Repertoires. Dem Orchester kommt eine besondere Bedeutung zu. Verdi schrieb für damals neue Instrumente, die das Zusammenspiel verfeinerten und damit dramatische Vertiefung entstehen ließen. Jedes Instrument wird einer spezifischen Idiomatik entsprechend eingesetzt, das Orchester nimmt keine begleitende, sondern eine kreativ gestaltende Rolle ein.

Verdi gelang mit Otello eine Musiktragödie. Er schrieb, im Gegensatz zu vielen anderen Komponisten, Libretto, Handlungsdramaturgie und Figurenzeichnung dieselbe Bedeutung zu wie der Musik. Der Konventionellen „Nummernrevue“, zu der die italienische Oper zu verkümmern drohte, war ihm zuwider, er suchte einen Weg, Musiktheater im eigentlichen Sinne zu entwickeln. Mit Otello verwirklichte er sein Ideal, und formulierte gleichzeitig eine adäquate Antwort auf Richard Wagner, dessen Idee vom Gesamtkunstweg die Oper in ganz Europa beeinflusste. Vielen Zeitgenossen ging Verdi damit schon zu weit. Der Vorwurf des „Wagnerianismus“ traf ihn, wie er es vorausgesehen hatte, von mehreren Seiten, trotz einer triumphalen Uraufführung im Februar 1887 an der Scala und ebenso erfolgreichen Aufführungen in Europa und in New York.

Die Aufführung ist Teil einer Tournee, die das MCO von Baden-Baden (30. September) über Luxemburg (3. Oktober) und Dortmund (6. Oktober) bis nach Paris (9. Oktober) führt. Auf den jeweiligen Kalenderdetailseiten finden Sie weitere Informationen.

Von Mozart bis Janácek - Das MCO als Opernorchester



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03.10.2010
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