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Konzert   Oper   
Pierre Boulez
08 Mai / Son    20:00
GROSSER SAAL
Köln / ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln / Kölner Philharmonie / tel +49 221 2802 80 / / www.achtbruecken.de

Maurice Ravel Ma mère l’oye
Arnold Schoenberg Violinkonzert op. 36
Igor Stravinsky Petrushka (1911)
Dirigent Pierre Boulez/ Violine Michael Barenboim/ MCO Academy Project


MCO Academy-Konzert beim Musikfestival "ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln"

Die Kölner MusikTriennale findet 2011 zum siebten Mal statt, zum ersten Mal unter dem Label "ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln". Das Festival ist eines der größten und wichtigsten für zeitgenössische Musik in Deutschland, und vereint in seinem Programm experimentelle Crossover-Projekte, elektronische Musik sowie kammermusikalisches  und sinfonisches Repertoire des zwanzigsten Jahrhunderts. ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln 2011 wird am 8. Mai mit einem MCO Academy-Konzert eröffnet.

Das Programm vereinigt drei der bedeutendsten Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts: Maurice Ravel, Igor Strawinsky und Arnold Schönberg. Eine weitere Legende ist am Dirigentenpult zu erleben: Pierre Boulez, dessen Lebenswerk die MusikTriennale Köln Extra einen Schwerpunkt widmet. Neben seinem kompositorischen Schaffen und seiner Dirigentenkarriere hat sich Boulez schon früh für eine Reformierung des Musikbetriebs und für die Nachwuchsförderung stark gemacht. Unter anderem leitet er seit 2004 die Academy des LUCERNE FESTIVAL. Mit dem MCO hat er im Sommer 2007 die Janácek-Oper Aus einem Totenhaus herausgebracht, die mit überwältigendem Erfolg in Wien, Amsterdam und Aix-en-Provence lief.

Alle drei Komponisten haben die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt. Und obwohl jeder von ihnen ein höchst individuell geprägtes Gesamtwerk hinterlassen hat, sind sie nicht unter einzelnen Ordnungsbegriffen subsumierbar, sondern haben klassizistische Allgemeingültigkeit erreicht. So kann Maurice Ravel zwar als wichtigster Vertreter des französischen Impressionismus neben Claude Debussy bezeichnet werden, ihn darauf zu reduzieren würde jedoch bedeuten, einen großen Teil seines Lebenswerkes zu ignorieren. Arnold Schönberg hat die Zwölftonmusik begründet und damit weichenstellend für die gesamte Musik des zwanzigsten Jahrhunderts gewirkt, nichts desto trotz liegen unter anderem mit den Gurreliedern und Pierrot lunaire tonale Werke vor, die auch heute noch zum Standardrepertoire zählen. Igor Stravinskys Werk könnte man als Gesamtabbild der Musik seiner Zeit beschreiben. Kaum eine Stilrichtung, die nicht Eingang in sein Schaffen gefunden hätte, keine musikalische Neuerung, mit der er sich nicht befasst hätte und kein Einfluss, dem er sich bewusst verschlossen hätte.
Reformierend wirkte er von Anfang an, indem er mit seinen Balletten für die „Ballets Russes“ von Sergei Djagilew in Paris dem Genre zu einer Renaissance verhalf. 1911 hatte Strawinsky Pétrouchka, eine Burleske in vier Bildern für Orchester, fertig gestellt. Die Uraufführung fand im Juni desselben Jahres im Théâtre du Châtelet unter der musikalischen Leitung von Pierre Monteux, choreographiert von Michael Fokin statt. Petruschka ist eine tragisch-komische Figur des russischen Puppentheaters, die dem italienischen Pulcinella verwandt ist. Strawinsky, der sich seine Stoffe in der russischen Volksdichtung ebenso wie im klassischen Kanon suchte, griff die Zwiespältigkeit der Figur in seinem Ballett auf: vor einer vordergründig fröhlicher Jahrmarktsszenerie wird die tragische Geschichte eines unglücklich Verliebten erzählt, der am Ende den Tod erleidet. 
Strawinsky unterhielt in Paris Beziehungen zu vielen Künstlern, unter anderem zählte Maurice Ravel zu seinen engen Bekannten. Dessen 1910 als Märchensuite für Klavier zu vier Händen komponiertes und ein Jahr später orchestriertes und uraufgeführtes Ballett Ma mère l’oye  erzählt fünf Geschichten der gleichnamigen Märchensammlung von Charles Perrault aus dem Jahr 1695. Es liegen verschiedene Fassungen vor: Klavierzyklus, Orchesterstück und Ballettversion; so eng miteinander verwoben, dass eine Unterscheidung zwischen Original und Bearbeitung als wenig sinnvoll gilt. In Ravels Werk spielt das tänzerische Element eine ähnlich bedeutende Rolle wie bei Strawinsky. Die kompositorischen Differenzierungen seiner berühmtesten Komposition, seines Bolero, werden nur im Zusammenhang mit einer den opulenten Klangteppich brechenden Choreographie deutlich. 

Ravel galt schon zu Lebzeiten mehr als Klassizist, denn als Erneuerer. Die von vielen anderen Komponisten als krisenhaft empfundene Verfassung der Musik zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schien von Ravel nicht wahrgenommen zu werden. Seine Klänge und Orchestrationen kennen nichts Verstörendes, sondern scheinen allein dem Wohlklang verpflichtet. Vielfach wurde und wird seiner Musik deshalb der Vorwurf mangelnder Substanz und Wahrhaftigkeit gemacht.

Im krassen Gegensatz dazu steht Arnold Schönberg, der nicht nur die Zwölftonmusik begründete, sondern durch die Aufführung zeitgenössischer Komponisten in dem von ihm gegründeten „Verein für musikalische Privataufführungen“ neue Musik in besonderer Weise förderte. Dort standen auch Werke von Ravel und Strawinsky auf dem Programm. Sein Violinkonzert op. 36 entstand  1936 in den U.S.A. Es zählt noch heute zu den schwierigsten Stücken, die die Literatur für Violine zu bieten hat. Uraufgeführt wurde es 1940 von Louis Krasner mit dem Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski. Beim zeitgenössischen Publikum fand das Werk zunächst keine Anerkennung, Themenreichtum und Kühnheit der Tonsprache bedeuteten eine Überforderung, die in tumultartigen Szenen während der ersten Aufführungen ihren Ausdruck fand.

Seit 2009 bietet die MCO Academy NRW ausgewählten Studenten des Orchesterzentrums|NRW unter anderem die Möglichkeit, ein gemeinsames Konzert mit dem MCO zu spielen. Dem breiten Repertoirespektrum des MCO entsprechend, ist die MCO Academy programmatisch nicht festgelegt, sondern es werden innerhalb des Gesamtrepertoires musikalische Schwerpunkte gewählt. Dirigiert werden die Konzerte von ausgewiesenen Spezialisten der gewählten Literatur.

MCO Academy NRW
Interview mit Pierre Boulez
MCO Residenz NRW



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08.05.2011