Claude Debussy Nocturnes Maurice Ravel Klavierkonzert in G-Dur/ Pavane pour une infante défunte Claude DebussyLa mer Dirigent Claudio Abbado/ Klavier Martha Argerich/ Orchestra Mozart
Koproduktion Ferrara Musica - Orchestra Mozart
Französische Musik und französische Malerei
Claudio Abbado hat als einer der wichtigsten Dirigenten unserer Zeit tiefe Spuren in der europäischen Musikszene hinterlassen. Abgesehen von seiner unmittelbar musikalischen Tätigkeit hat er sie durch die Gründung und Förderung von Orchestern, Konzertveranstaltern und Festivals nachhaltig bereichert. Die Protektion des musikalischen Nachwuchses liegt ihm dabei ebenso am Herzen wie die Unterstützung unabhängiger, dabei künstlerisch besonders ambitionierter Formationen. Aus diesem Engagement sind eine Reihe bedeutender Orchester hervorgegangen, unter anderem das MCO und das Orchestra Mozart in Bologna. Beide Ensembles hat Abbado für April 2011 eingeladen, gemeinsam unter seiner Leitung in Ferrara (14. April), Bologna (17. April) und Reggio Emilia (18. April) aufzutreten.
Das MCO debütierte im Jahr 2008 in Bologna, damals unter Leitung seines Principal Conductor Daniel Harding. Seitdem tritt das Orchester regelmäßig dort auf, 2011 zum ersten Mal eingeladen von dem hier ansässigen Orchestra Mozart.
Das Konzertprogramm wurde im Zusammenhang mit der für den Herbst 2011 im Palazzo die Diamanti in Ferrara geplanten Ausstellung „Von Modigliani bis Dalí: Paris in den 20er Jahren“ konzipiert. In den ausgewählten Stücken sind Verbindungen zwischen Musik und Malerei evident.
Claude Debussy galt zu Lebzeiten als großer Kunstkenner, der sich vor allem mit den zeitgenössischen Strömungen des Symbolismus und des Impressionismus beschäftigte. Anlässlich der Uraufführung seiner Nocturnes am 9. November 1900 beschrieb Gaston Carraud, Kritiker der Zeitung La Liberté, Debussys Arbeitsweise folgendermaßen: „Wie die Maler die Farben des Prismas, so versteht er sich darauf, beraten von einem feinen und sehr sicheren Geschmack, die Harmonien und Klangschattierungen zu mischen, nach Verhältnissen, die sich ständig erneuern.“ Debussy versuchte in seinen Kompositionen, Stimmungen, Situationen und Eindrücke zu erfassen, analog zu den Malern des Impressionismus, deren Werke ihn ein Leben lang faszinierten. Der Begriff „Nocturnes“ wird von ihm nicht im traditionellen Sinne (gefühlvolle, elegische Kompositionen vorwiegend für Klavier) verwendet, vielmehr assoziierte er damit „Impressionen“ und „Lichtspiele“, wie er im Programmheft der Uraufführung formulierte. Die drei Kompositionen gleichen Bildern von Claude Monet oder Édouard Manet, indem Debussy sich auf die Nachzeichnung ganz unterschiedlicher Stimmungen konzentriert: vorbeiziehende Wolken (Nuages), ein Fest im Bois de Boulogne (Fêtes) und der betörende Gesang der Sirenen über dem Meer (Sirènes). Debussy etablierte sich mit den Nocturnes als Meister orchestraler Klangfarb-Gestaltung.
Auch die „Drei sinfonischen Skizzen“ Debussys, besser bekannt als La Mer, haben einen sehr konkreten Bezug zur bildenden Kunst: Die 1905 veröffentlichte Partitur trägt einen Ausschnitt aus Katshushika Hokusais Holzschnitt The Great Wave aus der Serie Thirty-six views of Mount Fuji (1823-1829) auf dem Titel. Wie viele Komponisten vor ihm hatte auch Claude Debussy heftige Schwierigkeiten mit der Gattung, nachdem er sich mit dem sinfonischen Schaffen Beethovens befasst hatte. Gleichwohl zeigen die Kompositionen im Aufbau deutliche Referenzen an die traditionelle sinfonische Dramaturgie (langsame Einleitung, Scherzo und Finale). An den Erfolg von den Nocturnes konnte Debussy mit La Mer nicht anknüpfen, offenbar ging das Publikum mit einer „falschen“ Erwartungshaltung an das Stück heran. Die Stimmungsskizzen (Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer; Spiele der Wellen; Dialog des Windes mit dem Meer) wurden als wörtliches „Bekenntnis“ zu Debussys privater Leidenschaft für das Meer aufgefasst und verhöhnt.
Maurice Ravel gilt neben Claude Debussy als der wichtigste Vertreter des Impressionismus. Die beiden verband ein zwiespältiges Verhältnis, das – bei künstlerischer Anerkennung – in gegenseitigem Ignorieren endete. Die gespielten Werke sind Stimmungsaufnahmen ganz unterschiedlicher Szenerien:
Mit seinem Klavierkonzert in G-Dur bezieht Ravel sich direkt auf Mozart. Er orientierte sich am Geist der Klassik, band gleichzeitig Elemente des Jazz und Blues ein, nahm Anleihen an die spanische und baskische Volksmusik und gestaltete im ersten Satz ein surreales Zirkusambiente. Die Uraufführung fand 1932 unter Ravels Leitung in Paris statt. Das Klavierkonzert, das den Komponisten offenbar große Mühe gekostet hat, gilt heute als beliebtes Paradestück großer Pianisten.
Pavane pour une infante défunte beschrieb Ravel selbst folgendermaßen: „Es ist kein Trauergesang für ein totes Kind, sondern eher die Vorstellung einer Pavane, wie sie von solch einer kleinen Prinzessin wie Velásquez sie am spanischen Hof gemalt hatte, wohl hätte getanzt werden können.“ Der damals vierundzwanzigjährige Ravel widmete die 1899 zunächst als Solostück für Klavier geschaffene Komposition Madame La Princesse E. de Polignac, einer schillernden Figur des damaligen Pariser Kulturlebens.