Wann und wo war dein erstes Konzert mit dem MCO? Paris, Frankreich – ‚Leonore’ mit Mark Minkowski in 2005. Habe dort viele Leute getroffen. Habe eine davon geheiratet.
Was ist der schwierigste Aspekt deines Jobs? Ohne festen Ort zu sein kann einen ganz schön ermüden. Unsere Reisen sind extrem interessant und was Orchestertourneen angeht recht komfortabel. Aber wenn sich eine Tour hinzieht, wacht man ziemlich oft auf und stellt sich vor, wie schön es wäre stärkere Wurzeln zu haben oder zumindest eine genauere Vorstellung davon, wo das Badezimmer ist.
Was ist das Beste daran, Musiker zu sein? Das Beste daran Musiker zu sein ist die Musik. Das ist keine Übertreibung oder keine mystische, komplizierte Tautologie. Die Sache mit der Musik bleibt immer mysteriös und erfüllend zugleich und im MCO haben wir die Möglichkeit mit einigen der gefeiertsten und innovativsten Musikern zusammen zu spielen, die Ihre Zeit der Musik widmen. – Ich glaube, hier beziehe ich mich vor allem auf die Komponisten. Aber auch das Orchester selbst hat, wie jede gute Band, eine ungewöhnlich aufmerksame Gruppe fantastischer Musiker, die genau hinhören. Und es geht nichts über das Gefühl musikalisch abzuheben. Es gibt immer Dinge, die zu bedenken sind, die man zu erreichen versucht, während wir kollektiv das Klangbild in der Luft gestalten. Dieser Teil ist besonders schön an der Arbeit als Musiker.
Was machst du in deiner Freizeit? Ich verbringe im Moment recht viel Zeit mit Computer programmieren. Ich habe das ein paar Jahre lange professionell gemacht und programmiere jetzt privat – mehr oder weniger zur Entspannung – Musik-Visualisierungs/Theorie-Kram für das iPhone. Es ist wohl eher ein Langzeitprojekt und es ist immer dabei.
Deine CDs für die Einsame Insel? - Beatles - Hard Day's Night. Ich habe diese CD immer geliebt, vom ersten Akkord an. - Prokofiev - Peter und der Wolf, mit Peter Ustinov und den Philharmonikern. Das habe ich mir als Kind ohne Ende angehört und ich nehme an, dass sich das auf angenehme Art und Weise verbinden ließe mit all dem Jagen und Fallen stellen auf einer einsamen Insel. - Bach – Clavierübungen. Ich bräuchte etwas, das endlos interessant bleibt, voller Permutationen. Vielleicht auf dem Klavier mit Glenn Gould. Ich denke jeder Satz instrumenteller Suiten – Violine, Keyboard, Cello, Violine/Keyboard usw. würde schiffbrüchigen Ohren Wunder tun. Aber die fürs Keyboard wären wahrscheinlich die kompaktesten und lohnensten. - Miles Davis - Kind of Blue. Ich bräuchte mit Sicherheit etwas Trauriges. Oder vielleicht Bill Evans' Explorations. Vielleicht sogar beide. Ihr Fokus ist so stark, so Klangorientiert. - Mozart – Streich-Quintetts mit Arthur Grumiaux, et al. Ich habe festgestellt, dass diese Aufnahmen einen beeindruckend klaren Blick auf die Stimmungsänderungen bei Mozart haben. Es passiert so schnell mit so wenig Aufwand aber so viel Konsequenz.
Ich weiß nicht, ob man wirklich daran denken sollte, auf einer einsamen Insel zu sein, während man über diese Frage nachdenkt, aber… wenn ich tatsächlich auf einer einsamen Insel wäre… naja… ist eine ziemlich eigenartige Vorstellung.
Biographie //
Der Violinist Timothy Summers ist Co-Direktor des von ihm im Jahr 2000 mitbegründeten Charlottesville Chamber Music Festivals und 2. Geiger des gefeierten Orpheus Quartet.
Seit 2009 ist er ein Member der 1. Geigen des Mahler Chamber Orchestra und hat bereits auf der ganzen Welt auf Violine, Bratsche und gelegentlich auf der Mandoline mit diesem Klangkörper musiziert. Tim Summers war außerdem 2. Konzertmeister des Aarhus Symfoni Orchesters in Dänemark und spielte als Stimmführer der 2. Geigen im Dänischen Rundfunkorchester in Kopenhagen und im Royal Philharmonic Orchestra in Stockholm.
Er spielte bei Kammermusikfestivals in den USA und Europa, darunter die Festivals in Taos, Tanglewood, Banff, Sarasota, Richmond, Staunton, Token Creek und Wisconsin.
Über mehrere Jahre wirkte er im Emmanuel Music Bach Cantata Zyklus in Boston unter der Leitung von Craig Smith. In letzter Zeit unterrichtet er vermehrt Violine und Kammermusik in Barcelona, San Sebastian und Cervera in Spanien und an der Savonlinna Music Academy in Finnland.
Mit einem Fulbright Stipendium ausgestattet verbrachte Tim Summers die Jahre 2005/2006 als Artist-in-Residence am Dänischen Institut für Elektroakustische Musik in Aarhus und beschäftigte sich, gemeinsam mit dem Improvisationskünstler Steve Nachmanovitch, über mehrere Jahr mit Improvisation und Musikprogrammierung.
Er arbeitete außerdem als Lehrer und Softwareentwickler für pädagogische Mathematiksoftware am University of Virginia’s Center for Technology and Teacher Education und entwickelte kürzliche ein „music reference tool“ für das iPhone.
Tim Summers hat an der Harvard University einen Bachelor of Arts in Englischer und Amerikanischer Literatur erworben und die Juilliard School mit einem Master of Music im Fach Violine abgeschlossen.
Zu seinen Lehrern zählten Ronald Copes und Robert Mann an der Juilliard School, Mark Rush an der University of Virginia, James Buswell am New England Conservatory und Robert Levin in Harvard.