Jonas Kaufmann
12 Aug / Don    18:30
15 Aug / Son    18:30
Konzertsaal
Luzern / LUCERNE FESTIVAL / KKL Luzern / tel +41 41 226 44 80 / ticketbox@lucernefestival.ch / www.lucernefestival.ch

Ludwig van Beethoven Fidelio op. 72 (konzertant)
Dirigent Claudio Abbado / MAHLER CHAMBER ORCHESTRA / LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA / Florestan Jonas Kaufmann / Leonore Nina Stemme / Rocco Christof Fischesser / Marzelline Rachel Harnisch / Jaquino Christoph Strehl / Don Pizarro Falk Struckmann / Don Fernando Peter Mattei / Chor Arnold Schönberg Chor


Fidelio eröffnet das LUCERNE FESTIVAL

„Das beste Orchester der Welt“ nannte Le Monde im April 2008 das MCO, nachdem das Orchester unter der Leitung von Claudio Abbado Beethovens Fidelio am Teatro Real in Madrid zur Aufführung gebracht hatte. Die Produktion, die auch in Baden-Baden, Ferrara, Reggio Emilia und Modena gespielt wurde, geriet zu einem der erfolgreichsten und wichtigsten Opernprojekte in der Geschichte des Orchesters. 2009 wurde die Produktion mit dem italienischen Preis der Musikkritik Franco Abbiati ausgezeichnet, ausdrücklich gewürdigt für die „konsequente und fesselnde Lesart, die jeder Facette der vielschichtigen Partitur Ausdruck verlieh“. Abbado wurde von der deutschen Fachzeitschrift Opernwelt unter besonderer Erwähnung seines Fideliodirigats zum Dirigenten des Jahres 2008 gewählt.

Claudio Abbado hat das MCO von jeher zu besonderen Projekten herangezogen: unter anderem, als er sich 2005 erstmalig Mozarts Zauberflöte widmete, aber auch, als er es 2003 zum Herzstück des neu gegründeten LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (LFO) berief.

Das LUCERNE FESTIVAL im Sommer hat Fidelio nun auf das Programm für 2010 gesetzt. Wieder liegt die musikalische Leitung in den Händen Claudio Abbados, wieder spielt  das Mahler Chamber Orchestra, diesmal gemeinsam mit dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA. Erstmalig wird das Festival mit einer konzertanten Opernaufführung eröffnet, die hochkarätige Sängerbesetzung (Jonas Kaufmann, Nina Stemme, Christof Fischesser, Rachel Harnisch, Falk Struckmann und Peter Mattei) verspricht einen Höhepunkt der Festivalsaison.

„Eros“ lautet das diesjährige Motto in Luzern, unter dem das Festivalprogramm die berühmtesten Liebespaare der Musikgeschichte versammelt. Beethovens einzige Oper Fidelio, die ihm Zeit ihres langjährigen Entstehungsprozesses heftige Kopfschmerzen bereitete, ist eine Hommage an die Liebe, die alles wagt und zu guter Letzt auch alles gewinnt. Gattenliebe und Gattentreue lassen Leonore ihren Weg unbeirrt voranschreiten und verleihen ihr Mut und Kraft, ihren Gatten aus dem Kerker zu befreien. Nichts scheint sie auf diesem Weg ablenken, gar aufhalten zu können; auch die Verwirrungen, die sie als Mann verkleidet auslöst, lassen sie ihr Ziel nicht einen Moment aus den Augen verlieren. Und Florestan, von dem wir weder erfahren, aus welchem Grund er seit zwei Jahren im Kerker sitzt, noch in welchem Verhältnis er genau zu seinem Peiniger Pizzaro steht, vermeint im Angesicht des Hungertodes, als ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Sinne schwinden, einen Engel in Gestalt seiner Gattin (oder seine Gattin in Gestalt eines Engels?) zu sehen. Erotik bricht sich Bahn namentlich im Liebesduett des zweiten Aufzugs, wenn Leonore und Florestan die „namenlose Freude“ besingen, mit der sie einander „an der Brust“ liegen. Musik ist hier Ausdruck höchster Leidenschaft. Die Spannung, die durch die subtile orchestrale Untermalung der insgesamt stark dialoghaft geprägten Kerkerszene langsam aufgebaut wird, löst sich musikalisch auf in triumphierende, ekstatische Emotion.

Eros‘ wahres Opfer in dieser Oper jedoch ist eine Nebenfigur, die in der Literatur traditionell gerne der vermeintlich niederen Sphäre des Singspiels zugeordnet wird. Tatsächlich gehört Marzelline, als Figur ernstgenommen, zu den eigentlich tragischsten Verliererinnen des Opernrepertoires: verliebt in eine als Mann verkleidete Frau und am Ende mit Nichts abgefunden. Kein Wort der Erklärung oder gar der Entschuldigung gönnt der Komponist ihr. Ob sie den Schmerz der Erkenntnis („O weh mir, was vernimmt mein Ohr!“) überwindet, ob sie sich wieder Jaquino, dem sie bis zu Fidelios Erscheinen „recht gut“ gesonnen war, zuwendet oder ob sie allein zurückbleibt, erfahren wir nicht.

Fidelio ist die zweite Oper, die das MCO in Luzern konzertant aufführt. 2009 stand Webers Der Freischütz auf dem Programm, eine Koproduktion der MCO Residenz NRW und des Festspielhauses Baden-Baden. Oper spielte für das LUCERNE FESTIVAL von jeher eine wichtige Rolle, und wird dies mittel- und langfristig noch verstärkt tun. Derzeit wird in Luzern an der Realisierung der Salle Modulable, einem im Bühnen- und Publikumsbereich modulierbaren Raum, gearbeitet. Initiiert vom LUCERNE FESTIVAL soll hier traditionelles, zeitgenössisches und experimentelles Musiktheater aufgeführt werden, das neue Rezeptionsmöglichkeiten eröffnet und die Entdeckung neuer Theaterwelten ermöglicht.

Das MCO beim LUCERNE FESTIVAL
Interview mit Claudio Abbado

Von Mozart bis Janácek - Das MCO als Opernorchester



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