Landshut im Dezember: das verspricht eine gute Portion Heimligkeit, Lebkuchen- und Glühweinfriedlichkeit, ein herzliches Willkommen in Peters Keller, gute Musik und natürlich: Schnee! Letzteres war gleich die erste, aber auch einzige Enttäuschung auf dieser Tour: statt Schnee, der eigentlich dort hingehört, gab es einfach nur Regen, Regen, Regen...
Für mich war es die erste MCO-Tour seit vier Wochen - und ich fühlte mich gleich wie zuhause, als ich an der Rezeption des Hotel Lindner begrüßt wurde, nach meinem werten Befinden und dem hoffentlich erfreulichen Verlauf meiner Reise befragt und für meinen Beruf bewundert wurde. Augenblicklich schossen mir Gedanken wie: Ach ja!, hier bin ich also, oder einfach: hmmm... durch den Kopf. Die Aussicht auf die lang vermissten Kollegen und das vielversprechende Programm (ein Werk - das Auftragswerk! - war sogar mit Endorphine betitelt) war dann doch ausreichend, um die schrägen Wetterverhältnisse zu verschmerzen.
Gibt es einen Ort, an dem man sich als Musiker so willkommen fühlt wie bei Peter Haarpaintner, der es sich nicht nehmen lässt, bei jeder Gelegenheit in Wort und Tat seine tiefe Verbundenheit zum MCO, seine Freude und seinen Stolz über den Werdegang des Orchesters zu äußern? Die Party in seinem berühmten Keller war der perfekte Ausklang des ersten Probentages, der in erster Linie zwei Dinge deutlich machte: ja, es ist schön, gelegentlich ohne Dirigent zu spielen! Und Beethovens Kreutzersonate bleibt ein grandioses Werk, wie man es auch dreht und wendet! In diesem Fall war der Klavierpart sehr gelungen von Richard Tognetti in einen Streichorchesterpart gedreht und gewendet worden, was eine große, aber spannende Herausforderung für uns alle war. Und ein Genuss, auf diese Weise in jedem Konzert eine Beethoven-Party mit Kolja Blacher feiern zu können (ich erinnere nur an die 2. Variation im zweiten Satz!).
Die drei Konzerte reihten sich dann schnell bei mir in die Abteilung "Abenteuer" ein: von der Suche nach den "Endorphinen" in Sören Nils Eichbergs gleichnamigem Stück (ich meinte, sie in der "collegno"-Stelle gefunden zu haben, was Christian neben mir sehr amüsierte), über die in der Kreutzersonate bis zum Äussersten geforderte Konzentration und das nicht aufhörende Staunen über diese geniale Musik, bis zu Beethovens 1. Sinfonie! Der Rathausprunksaal in Landshut mit seinem begeisterungsfähigen Publikum, die wunderbare Reithalle in Neumarkt, die durch eine geniale Eingebung ehedem zu einem Konzertsaal wiederaufgebaut wurde, und die Konzerthalle Viersen waren der perfekte Rahmen dafür. Dabei war es wieder einmal ein Vergnügen, neben, vor und hinter mir lauter fantastische Kollegen sitzen zu haben, mit denen das Zusammenspiel ein reines Festival der Kommunikation ist!
Nach drei gelungenen Konzerten, einem Aufnahmetag und einer durchtanzten Nacht endete diese kurze, für mich unvergessliche Tour, auf der ich - ach ja! - endlich "Member" geworden bin, auf meinem Hotelzimmer in Mönchengladbach, bei warmem Bier und Musik von Amy Winehouse.