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Konzert   Oper   
20 Oktober 2010 / 16:51 

 / by Jaan Bossier, Klarinette



Es geht wieder nach Baden-Baden. Für mich eine relativ kurze Anreise, vom Taunus in den Schwarzwald. Dorthin, wo ich vor acht Jahren, ebenfalls auf Tournee mit dem MCO, meine Frau Gisela kennengelernt habe. Von daher ist Baden-Baden für mich immer mit besonderen Erinnerungen verbunden. Damals haben wir Beethovens Fidelio gespielt, jetzt stehen sehr unterschiedliche Werke auf dem Programm.

Hauptanteil: Otello von Giuseppe Verdi.
Leider hat Verdi sich entschieden, in der ganzen Oper nur wenige Töne für die Bassklarinette zu komponieren. Das heißt, ich spiele nur am Ende vom ersten und am Ende vom zweiten Akt, nach der Pause überhaupt nicht mehr. Das kann lustig und erholsam erscheinen, ist es aber überhaupt nicht. In den Proben sitze ich nur herum, während ich so gern spielend teilhaben wollte.

Bis auf die Vorstellungen. Erst dann sitze ich den ganzen ersten Teil im Graben, und werde mitgerissen von der Musik. Nach der Pause gehe ich dann zum Zuhören in den Saal. Was Verdi da nach einer Auszeit von zehn Jahren, währenddessen er sich von einem Bauernhof aus politisch engagierte, komponiert hat, ist der Wahnsinn! So ausdrucksvoll seine Musik, so rührend gesungen insbesondere von der Sopranistin Anja Harteros, und ich bin stolz auf die Orchesterkollegen!! Dabei bin ich eigentlich auch nach wiederholten Versuchen kein Anhänger von Shakespeares Tragödien!

Vor 15 Jahren – es war gerade mein zweites Projekt mit dem Gustav Mahler Jugend Orchester – spielten wir unter der Leitung von Bernard Haitink im Concertgebouw Amsterdam. Auf dem Programm wie auch jetzt Mahlers Das Lied von der Erde. Übrigens war Ben Heppner, die Titelrolle von Otello, damals einer der Solisten.

Eine unvergessliche Erfahrung. Seitdem muss ich immer wieder beim Spielen dieses Werks an diese Aufführung denken. Klar, ich war jung, alles lag noch offen, aber es hat einen tiefen musikalischen Eindruck hinterlassen.

So wird auch dieses Mal in Baden-Baden, wo wir mit Kent Nagano dieses Stück spielen, die Uhr bei fast jedem Ton um 15 Jahre zurückgedreht.  

Zwischen den vielen Proben versuchen wir herauszufinden, was die Kurstadt zu bieten hat. Man kann in die Termen gehen, oder sich bei Anna, also bei der Orchestermasseurin, einer schwedischen Massage unterziehen. Außerdem organisieren wir unser mittlerweile traditionelles Fußballspiel, und wir verlieren uns in den Fantasien von Miro, von dem im Museum Frieder Burda eine Ausstellung zu sehen ist.

Mit dem dritten Programm, den ersten beiden Symphonien von Johannes Brahms, der übrigens auch eine Zeit seines Lebens in Baden-Baden verbrachte, schließen wir die Tournee ab. Das Schlusskonzert in Frankfurt  ist für mich fast ein Heimspiel – ist doch der Taunus zum Greifen nah.

Ich freue mich schon total auf die Asien-Tournee 2011, für die dieses Programm vielleicht ein Vorgeschmack ist. Da werden wir alle Brahms-Symphonien spielen, auch mit Daniel Harding. Seine Musikalität, seine Bewegungen, seine nie nachlassende Inspiration sowie sein ständiges Suchen nach einem weiteren Detail… - seit Jahren begeistert mich die Zusammenarbeit mit ihm. Das MCO mit Daniel Harding ist wirklich ein nicht zu verpassendes Erlebnis.

Who is Jaan / Wer ist Jaan?


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