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Béatrice Muthelet
Béatrice Muthelet // Stimmführung Viola

Was brauchst du, um dich auf Tournee zu Hause zu fühlen?
Mich auf Tour zu Hause zu fühlen ist fast unmöglich, aber es gibt Dinge, die das Reisen und die Trennung leichter machen. Ich versuche, Dinge zu tun, für die ich zu Hause keine Zeit habe. Ich habe das Gefühl, ich muss aus der Zeit, die ich nicht zu Hause bin, das meiste machen, damit ich meine drei Kinder nicht so vermisse! Ich bringe immer eine Tasche voller Vitamine, eine Yoga-Matte und ein paar Trainings-DVDs mit und versuche jeden Tag eine Stunde zu trainieren – was mir und meinem Rücken auch hilft, nach langen Proben oder Reisetagen in Form zu bleiben. Nicht zu vergessen das tägliche Essen im Restaurant und ein gelegentlicher Drink?!?
Ich danke dem 21. Jahrhundert für Skype, MMS und SMS um mit meinen Lieben in Kontakt zu bleiben, und ich bringe immer ein paar Bücher und DVDs mit – ihr solltet mal versuchen, meinen Koffer hochzuheben…Ich muss zugeben, ich genieße dieses Leben auch, das mich an Zeiten erinnert, in denen ich noch keine Familie hatte – ich schaffe es sogar, beim Frühstück die Zeitung zu lesen! Zu guter Letzt liebe ich es, meinem Instrument ungeteilte Aufmerksamkeit schenken zu können. Wenn ich üben muss, kann ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche, ohne dafür Kompromisse eingehen zu müssen.
Außerdem kann ich, wenn ich mich mal einsam fühle, jederzeit ein paar Kollegen anrufen und wir gehen schön zusammen essen. Ehrlich gesagt vergeht die Zeit so schnell!

Das erste Musikstück, in das du dich verliebt hast:
Das erste Stück, das mich zum Träumen gebracht hat, war Smetanas “Die Moldau” – es war auf einer Kassette der Deutschen Grammophon in einer Serie der zehn berühmtesten Komponisten, interpretiert von Karl Böhm… Meine Eltern haben sie mir zusammen mit einem Kassettenrekorder geschenkt und ich habe sie so oft im Bett unter meinem Kopfkissen bis spät in die Nacht gehört… die fließenden Übergänge, die mitreißende Melodie, all die feinen Details, wie die Instrumente zusammen gespielt haben – rückblickend denke ich, dass ich schon damals im Orchester spielen wollte, um ein kleiner Teil eines großen Ganzen zu sein und wunderschöne Musik zu erschaffen.

Was macht ein „perfektes“ Konzert aus?
Bei einem perfekten Konzert hat man am Ende mehr Energie als zu Beginn! Von denen hatte ich einige mit dem MCO… Ich freue mich sowieso fast immer auf das Konzert, weil die ganze Mühe sich gelohnt hat, wenn man für ein Publikum spielt… Jeder ist konzentriert und aufmerksam und im besten Fall riskiert man gemeinsam etwas, was zu umwerfenden Ergebnissen führen kann! Wenn das passiert, wird das Konzert zum Abenteuer und es elektrisiert dich! Wir hören und reagieren aufeinander und wenn der Dirigent davon inspiriert wird, versucht er noch mehr aus uns allen herauszuholen, als in den Proben… uns sanfter oder lauter spielen zu lassen, als wir es je getan haben, oder schneller… Das kann so berauschend sein, dass man am Ende denkt: „Was, schon vorbei??!!“ Nach solchen Konzerten ist es schwer, wieder runter zu kommen…man braucht ein paar Stunden, um diesen positiven Energieschub wieder abzubauen! Wunderbar… 

Deine CDs für die einsame Insel?
Im Gegensatz zu dem, was ich über mein erstes einflussreiches Musikstück gesagt habe, muss ich sagen… dass ich heute gar keine Musik mehr höre! Außer wenn ich zu den Konzerten von Freunden gehe, ein neues Stück lernen muss, oder Musik spielen, mit der ich nicht so vertraut bin – dann kaufe ich die Aufnahme (ich bin ein großer Kunde bei iTunes), aber ansonsten muss ich sagen, dass Musikhören für mich keine Entspannung ist! Es ist zu intensiv! Das ist aber erst so, seit ich als Musikerin auftrete… ich bevorzuge die Stille, selbst wenn ich Auto fahre – nur dann kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen und nichts stört mich dabei. Musik in Supermärkten finde ich nervig, genauso wie in Restaurants oder Fahrstühlen. Auf einer einsamen Insel würde ich also einfach dem Meer, den Vögel und dem Wind in den Bäumen zuhören – vielleicht mag ich einfach „Originalgeräusche“ und nichts, was aus einer Anlage kommt, egal wie gut die Qualität heute ist. Irgendwie erscheint es ein bisschen verrückt eine Aufnahme von Bruckners 5. Sinfonie zu hören, nachdem ich sie im Sommer in Luzern mit so wunderbaren Menschen gespielt habe. Ich erinnere mich noch so gut an den Auftritt und den  besonderen Klang – ich kann mir nicht vorstellen, eine Kopie davon hören zu wollen. Ich habe alles in meinem Herz und meinem Kopf abgespeichert… Sorry!

Was ist das Beste daran, im MCO zu spielen?
Das ist leicht: es ist ein wunderbares Orchester! Die meisten meiner Kollegen werden sagen, dass sie ihr Orchester lieben und das ist, denke ich, ziemlich selten… Ich glaube, dass wir aus musikalischer Sicht besser und besser werden, was mir den Eindruck gibt, von intelligenten und motivierten Menschen umgeben zu sein, die auf sehr hohem Niveau spielen und trotzdem immer besser werden wollen. Es ist ein Genuss, auf seine Kollegen stolz sein zu können. Dazu fügt man die Chemie zwischen den Musikern – jeder wird akzeptiert, egal, wie unterschiedlich die Charaktere auch sind. Wir bringen einander viel Toleranz entgegen und für jeden gibt es einen Platz. Ein bisschen wie in einer Familie, man streitet zwar manchmal, weiß aber, dass man im selben Boot sitzt und das Gleiche möchte – großartige Musik machen – und das macht die meisten Probleme wett… Und was übrig bleibt, ist eine großartige Mischung. Ich kann aufrichtig sagen, dass sich dieses Orchester wie eine Familie für mich anfühlt und das ich mich immer freue, nach einer langen oder kurzen Pause zu ihm zurückzukehren – ich kenne die meisten Musiker schon seit langer Zeit und wir haben gemeinsam so viele Erfahrungen gesammelt! Ich liebe auch unsere Arbeitsweise. Das Reisen ist manchmal schwer, aber es bedeutet auch, dass wir alle in unseren Heimatstädten leben können, ohne das Spielen im MCO aufgeben zu müssen; dass wir in der Lage sind, andere Aktivitäten und/oder die Familie unter einen Hut zu bringen und dabei ein erfülltes Musikerleben zu führen.



Béatrice Muthelet begann ihr Violinstudium am Konservatorium von Versailles und erst als 19-Jährige, nachdem sie einige Zeit in Israel bei Prof. Haim Taub studiert hatte, entschied sie, sich auf die Viola zu konzentrieren. Sie erhielt ein Stipendium für ein Studium in New York und wurde dort die einzige Bratschistin in Pinchas Zukermans Klasse an der Manhattan School of Music.

Zurück in Europa trat Béatrice der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker bei, wo sie bis 1999 Mitglied war. Sie ist Stimmführerin der Bratschen im Mahler Chamber Orchestra und wurde als Stimmführerin zu führenden Orchestern eingeladen, darunter die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen und das Gewandhaus Leipzig. Außerdem ist sie ein Gründungsmitglied des von Claudio Abbado gegründeten LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA.

Als Kammermusikerin nimmt Béatrice an zahlreichen Festivals wie Aix en Provence, Bel Air, Festival St Denis, Verbier, Berliner Festspiele, Heimbach, Luzern, Edinburgh, Schubertiade, Delft und Pisa teil. Ihre musikalischen Partner sind dabei unter anderem Lars Vogt, Hélène Grimaud, Bruno Canino, Sarah Chang, Joshua Bell, Victoria Mullova, Isabelle van Keulen, Kolja Blacher, Gerard Caussé, Wolfram Christ, Emanuel Pahud, Paul Meyer, Steven Isserlis, Clemens Hagen und Alois Posch.

2001 gründete sie ein Streichquartett mit Aki Saulière, Renaud und Gautier Capuçon mit dem sie dem Karneval der Tiere und das Septett Saint-Saëns für Virgin Classics aufnahm. Außerdem wirkte sie bei zwei weiteren EMI-Aufnahmen mit, zum einen Mozarts Streichquintett in g-Moll und zum anderen Schönbergs Kammersinfonie Nr. 1 mit Christian Tetzlaff und Boris Pergamenchikow. In 2007 spielte sie Brahms’ Klarinettenquintett mit dem Klarinettisten Paul Meyer für EMI ein. Seit 2007 ist das Quartett in Konzerthallen wie der Salle Pleyel in Paris, im Auditorio Reina Sofia in Madrid und im Musikverein in Wien aufgetreten.

Lesen Sie hier Béatrices Tour Diary Eintrag (17.01.2013)

 


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