By: Nieke Schouten, Oboe, MCO Foundation Scholarship Recipient
Am ersten Tag komme ich direkt aus einer anderen Mini-Tournee angereist, aus Ludwigsburg. Praktisch, denke ich, das ist ja nicht so weit weg von Baden-Baden. Anders als die meisten anderen Musiker, die zum Teil sogar aus New York oder Australien anreisen müssen. Wenn aber mitten aus dem Nichts eine Oberleitungsstörung auftritt, ist sogar Ludwigsburg doch ganz schön weit weg. Zum Glück komme ich letztendlich doch rechtzeitig an.
Meine erste Hoffnung ist, dass die anderen Bühnenmusiker nett sind. Da man nur kurz auf und hinter der Bühne spielt, gehört viel Warten zu meiner Partie, und dann ist nette Gesellschaft ganz willkommen. Aber natürlich brauchte ich mir da keine Gedanken zu machen. Beim Mahler Chamber Orchestra herrscht eine dermaßen offene und interessierte Atmosphäre, dass man nie lange suchen muss für nette Kontakte.
An den Probetagen geht es meistens so: Wir bekommen eins SMS, liebe Bühnenmusiker, bitte kommt dann und dann. Wir sind natürlich früher da, zum Einspielen, unten in den Garderoben. Aber: Neben einer der Garderoben ist auch das Aufnahmeteam der Deutschen Grammophon. Die Hornisten werden also freundlich gebeten, einen anderen Raum zu suchen. Oboe ist anscheinend nicht zu laut. Dann gehen wir hoch, hinter die Bühne, warten auf unseren Einsatz. Meistens dauert dies länger als geplant, und gegen die Zeit, zu der man dran ist, ist man nicht mehr eingespielt, dank des Airconditionings hinter der Bühne. Und auf der Bühne sollen wir klingen wie von weit weg, fast wie hinter der Bühne. Eine gute Übung darin, uneingespielt leise zu spielen also ;-).
Bei den Konzerten wissen wir genauer wann wir dran sind, das Warten hinter der Bühne ist weniger lang. Bei einer Nummer kurz vor dem ersten Auftritt wird einmal spontan getanzt - oder wie man Macarena-Bewegungen nennen darf :-D.
Beim Auftritt auf der Bühne können wir noch ein bisschen zuhören bevor wir spielen, das genieße ich. Besonders beim letzten Konzert war die Atmosphäre toll, und ich war dankbar, einfach da stehen und gleich auch meinen kleinen Beitragen dazu leisten zu dürfen.
Der zweite Einsatz der Oboisten ist hinter der Bühne, mit den Posaunen, Kontrabass und Sänger der Friedhof-Szene. Wir stehen in einem Seitengang, hinter einer Eingangstür zu den ersten Reihen im Parkett. Hinter uns ist eine Tür, hinter der scheinbar eine Küche oder so ähnlich ist, mit lauten Geschirr-Geräuschen. Zumindest muss jedes Mal aufs Neue jemand warnen gehen, dass es kurz leise sein muss. Das wäre ja ein schöner Friedhof, mit klirrendem Geschirr im Hintergrund! Beim letzten Konzert ein ganz lustiger Moment: Kurz vor unserem Einsatz will Robert (Stagemanager) die Tür zum Saal öffnen. Aber großer Schreck: Die Tür ist zugeschlossen! Robert geht schnell raus zur Techniker, aber innendrin hat schon ein Türsteher den Versuch, zu öffnen, gehört - 'ach ja, stimmt, das sollte ich öffnen!' und das Schloss aufgemacht. Robert kommt zurück mit einem Techniker, der steckt seinen Schlüssel in das Schloss: Aber die Tür ist ja schon offen. Freie Übersetzung vom Gesicht der Techniker: Die spinnen doch alle!
So, das zu den Einsatz-Momenten. Viel größer in Zeitaufwand waren die Warte-Momente und Freizeit. Was war da? Natürlich üben und Rohre Bauen. Aber auch: Spät frühstücken, wandern zum Alten Schloss, wandern zum Rosengarten, Kuchen essen beim Kaffee König. Und abends ein Bier im Leo's oder Hirsch. Quatschen in Englisch, Deutsch und Niederländisch, öfters mal die falsche Sprache zur falschen Nationalität.
Und last but not least: Zuhören bei den anderen Konzertprogrammen. Ich habe vor allem die Mozart-Sinfonien und das letzte Klavierkonzert genossen. Krasses Tempo beim letzten Satz der „Jupiter“-Sinfonie, einfach toll! Und wahnsinnig schöne leise, delikate Momente sowohl in den Sinfonien, als auch in den Klavierkonzerten. Danke!
Nieke Schouten, MCO Foundation Scholarship Recipient, Graduate of the Orchesterzentrum|NRW