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Konzert   Oper   
19 September 2011 / 11:27 

By: Henja Semmler, Violine 1



Wie so oft nach einem intensiv erlebten Projekt kann ich kaum glauben, dass es tatsächlich nur fünf Tage waren, die wir zusammen in Köln und Brüssel verbracht haben! Voller Vorfreude war ich nach Köln gereist, denn es versprach ein wunderbares Projekt zu werden: Ich war sehr gespannt und erfreut, endlich zum ersten Mal mit Sir Roger Norrington zusammen zu arbeiten; ebenso erwartungsvoll sah ich der Wiederkehr des fantastischen Tenors Ian Bostridge an unsere Seite entgegen. Außerdem standen wunderbare Werke auf dem Programm: zum einen von jeher geliebte Werke wie Schuberts "Unvollendete" und Auszüge aus Mozarts Idomeneo, zum anderen aber auch der herrliche, mir noch gänzlich unbekannte Liederzyklus Les Illuminations von Benjamin Britten - tatsächlich eine Erleuchtung, zumal in der wundervollen Interpretation von Ian Bostridge!

Im ersten Konzert, das ein Jubiläumskonzert anlässlich des 25. Bestehens der Kölner Philharmonie war, durften wir zudem ein Auftragswerk der jungen japanischen Komponistin Eiko Tsukamoto aus der Taufe heben. Ich war beeindruckt, was für Klangwelten diese zurückhaltende junge Frau geschaffen hatte, und auch das Publikum reagierte begeistert darauf. Es freute mich nach unserer diesjährigen Japan-Tournee, die wir unter so traurigen Vorzeichen angetreten hatten und die für uns alle so unvergesslich war, ganz besonders, dass die Wahl auf eine japanische Komponistin gefallen war. Bei der Vergabe des Auftragswerks war aber ein ganz anderes Kriterium eine Voraussetzung gewesen: Der Komponist oder die Komponistin sollte genauso alt bzw. jung wie die Kölner Philharmonie sein! Und, kaum zu glauben, aber wahr - das gesamte Programm dieses Projektes bestand aus Werken von 25-Jährigen!! Ich freute mich sehr, dass die Kölner Philharmonie, die wir schon seit Langem schätzen und lieben, für diesen besonderen Anlass das MCO verpflichtete.

Für mich gibt es noch weitere Gründe, aus denen mir diese Woche besonders in Erinnerung bleiben wird. Nur anderthalb Tage vor der ersten Probe musste nämlich leider unser Konzertmeister Gregory Ahss krankheitsbedingt absagen. Julia-Maria Kretz und ich sprangen umschichtig ein, jede von uns für zwei Stücke. Und so fand ich mich plötzlich bei Tsukamoto und Britten auf dem Konzertmeisterstuhl wieder, was ich nach so kurzer Vorbereitungszeit ziemlich aufregend fand, zumal ich bei Britten mehrere große Soli zu spielen hatte! Der freie Tag zwischen den beiden Orchesterkonzerten war mir zur Entspannung daher sehr willkommen. Er fand seinen krönenden Abschluss in einem Kammerkonzert im angesagten Kölner "Alten Wartesaal", in dem Sonja Starke, Anna Puig-Torné und Inga Raab ganz großartig Werke von Ravel, Reich und Penderecki aufführten. Zwischen diesen Stücken gab es Remixe vom DJ Georg Conrad inklusive Videoprojektionen, was ich sehr spannend und gelungen fand. Besonders bewunderte ich aber meine drei Kolleginnen für ihre Darbietungen: Sie hatten die anspruchsvollen Stücke in Duo- und Triobesetzung zwischen lauter Orchesterproben einstudieren müssen und präsentierten sie doch voller Ausdruck und Energie und in so gelungenem Zusammenspiel!

Tags darauf ging es nach Brüssel, eine Stadt, an die sich viele Erinnerungen knüpfen, hatten wir doch 1999 im Rahmen unserer großen ersten Don Giovanni-Produktion ca. zehn Tage dort verbracht. Von dort aus waren wir auch zu unserer allerersten Japan-Reise aufgebrochen! Damals war ich 19 und in meinem 1. Studiensemester... Aber zurück zur Gegenwart! Dieses Mal blieb nur Zeit zum Ankommen, Essen und kurzen Ausruhen, bevor die Anspielprobe begann. Noch einmal durften wir die ansteckende Musizierfreude von Sir Roger Norrington, den mitreißenden Gesang Ian Bostridges und einen schönen großen Saal voller begeisterungsfähiger Zuhörer genießen. Und nun gehört auch diese kleine Tournee schon wieder der Vergangenheit an. Für mich geht es mit dem Kammermusikfestival Westfalen Classics weiter, aber ich freue mich schon jetzt aufs Wiedersehen mit den MCO-Kollegen Anfang Oktober in Baden-Baden!

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