Im Jahr 1969 malte Picasso seine „Rembrandteske Figur mit Amor“. Das Bild entstammt der letzten Schaffensperiode des Künstlers und hängt nun an exponierter Stelle in der Luzerner Sammlung Rosengart.
Viele Gedanken schießen einem durch den Kopf, die sich vielleicht später zu einem harmonischen Ganzen ordnen: Picasso berief sich in seinem 88. Lebensjahr noch einmal auf sein großes Vorbild Rembrandt. Selbst in seinen letzten Lebensjahren steigerte er noch einmal beträchtlich seine Produktivität.
In Luzern sind unsere Probenpläne dicht gedrängt, so dass allenfalls zwischen zwei Proben ein Museumsbesuch möglich ist. Umso mehr vermischen sich dann die Eindrücke der Bilder mit zuvor Erlebtem.
Auf dem Programm für das 600. Konzert des MCO standen Werke von Ravel, Bartok, Strawinsky und B. A. Zimmermann. Der Dirigent Heinz Holliger, selbst auch Komponist, hatte die Werke klug ausgewählt: Nicht nur das Motto „Tanzmusik“ des diesjährigen Lucerne Festivals wurde damit hinreichend bedient, sondern die Zusammenstellung zeigte, wie sehr sich große Komponisten einer Tradition verpflichtet gefühlt haben. Immer wieder tauchen Motive, ja ganze Themen aus vergangenen Epochen als Zitate in neuer Ausleuchtung oder kunstvoll verwoben wieder auf.
Die Reihe der wieder erkannten „Fetzen“ liest sich wie ein who – is – who der Musikgeschichte, unter anderem mussten Beethovens 5. Sinfonie, Bachs 3. Brandenburgisches Konzert und das Weihnachtsoratorium sowie Brahms’ Violinkonzert als Fundgrube herhalten.
Holligers Anregung während der Probenphase, ein Thema niemals zweimal genau gleich zu spielen, weil man unterdessen drei Minuten gealtert sei und sich bereits verändert habe, kann als Hinweis verstanden werden, den eigenen Alltag zu entbanalisieren. Die Großen haben es vorgemacht, dieselben Dinge immer wieder in neuem Gewand zu präsentieren. Dabei haben sie harmonisch und stilistisch neue Wege beschritten oder sind in andere Wahrnehmungs – oder Ausdrucksbereiche vorgedrungen.
Diese Schätze zu bergen und nachzuempfinden war eine spannende Herausforderung bei diesem Projekt. Reich belohnt fühlt man sich, wenn sich große Zusammenhänge auftun. Sie erleichtern auch, Gegebenheiten im eigenen Leben nicht nur als zufällig hinzunehmen und möglichst schnell wieder zu vergessen, sondern sich selbst auf Entdeckungsreise zu begeben.