By: Julia-Maria Kretz, 1st Violin, und Pauline Sachse, Viola
Die Tour nach Wien war geprägt von großen Kontrasten. Auf der einen Seite wurden wir Abend für Abend in die düstere Welt von Janaceks Totenhaus katapultiert, in die enge Tristesse des eingesperrten Daseins in der Öde Sibiriens.
Wir hingegen genossen unsere Freiheit und die Schönheit Wiens in vollen Zügen! Es gab viel von Schiele und Klimt zu besichtigen, wunderschöne Cafes (unser Favorit: der gute Kaiserschmarrn….) zu besuchen, herrliche Jugendstil-Fassaden auf unserem täglichen Spaziergang zum Theater an der Wien zu bewundern, leckere Kleinigkeiten entlang des Naschmarkts zu probieren, und unglaubliche Konzerte zu hören. Wir entdeckten schon bald, dass man für 2 Euro Stehplatzkarten für die Oper erhält und konnten somit Zeuge einiger Highlights des Wiener Konzertlebens werden, hierzu zählten Elektra von Richard Strauss und Mahlers 2. Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern unter Seiji Ozawa.
Die Arbeit mit Pierre Boulez gestaltete sich sehr angenehm. Es wurde keine Energie verschwendet, sein Dirigat wirkt konzentriert und strukturiert und erhält dadurch jene Kraft, die für Janaceks Musik unabdingbar ist. Grandiose Sänger und natürlich der sagenhafte Patrice Chéreau machten die Aufführungen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Produktion war ein großer Erfolg und erhielt viel Echo in der Europäischen Presse. Rezensionen in Österreich, Frankreich, Holland, Deutschland sangen allesamt Lobeshymnen auf die Inszenierung und die musikalische Ausführung. Im Wiener Kurier schrieb man: Pierre Boulez bringt die Partitur mit dem Mahler Chamber Orchestra zum Leuchten, zeigt dann wieder, expressiv und stets vorwärts drängend, all die ihr auch innewohnende Düsterheit und Dramatik. Ein Klangerlebnis, gar nicht intellektualisiert, sondern vom Dirigenten tief empfunden.“
Da wir von unseren „Grabenplätzen“ aus nur sehr bedingt auf die Bühne sehen konnten und viele die Klavierprobe verpasst haben, haben wir ein paar Fotos gemacht, die einige der beeindruckenden Bilder der Inszenierung festhalten. So wird manch einer vielleicht im nachhinein Verständnis für die lästigen Müll-Angriffe am Ende des zweiten Aktes finden ;-)