Endlich: Sonntag, der 8. August, die Proben zu Beethovens Fidelio beginnen. Ich habe mich warm angezogen, denn im Zuschauerraum ist es jeweils recht kühl, vor allem wenn eine Probe 3-4 Stunden dauert. Die Musiker haben da offensichtlich weniger Probleme, wie man ihrer sommerlichen Kleidung ansieht.
Als wir in den Saal treten, ist die Bühne mit verschiedensten Militärmänteln behangen, und über der Bühne hängt ein riesiger weisser Ballon, der, wie wir im Verlauf der Proben miterleben, für die verschiedensten Lichteffekte und Videoprojektionen dient. Spannend ist es mit zu erleben, wie die teil-szenische Inszenierung von Fidelio durch Gespräche und Anregungen der Beteiligten zu Stande kommt. So hat sich am nächsten Tag wieder einiges verändert auf der Bühne. Die Sänger und der Chor müssen ihre Plätze noch ausloten und das Hereinkommen proben (Chor), das zuerst gar nicht klappt. Wir sind sehr gespannt, wie die Hauptprobe am Dienstag wirklich aussehen wird.
Die Musik, die Musiker und die Sänger sind absolut fantastisch. Wie könnte es auch anders sein bei dieser Starbesetzung unter der Leitung von so magischen Händen wie denen von Maestro Claudio Abbado.
Wir besuchen die 2. Aufführung von Fidelio und sind voll begeistert. Am Schluss regnet es Blütenblätter und Blumen auf die Bühne und das Publikum dankt mit Standing Ovations, wie immer beim Lucerne Festvial Orchestra mit Claudio Abbado.
Am Sonntag, 15. August, findet zum 10. Mal das Friends-Meeting statt, hoch über dem Seebecken von Luzern, dieses Jahr im Hotel Montana. Eine sehr sympathische Veranstaltung, wo wir Bekannte aus früheren Jahren treffen – Freunde eben. Alles ist liebevoll vorbereitet und durchgeführt von Nina Brach und ihren Mithelfern. Zum Jubiläum spricht der Intendant Prof. Richter über die Geschichte des MCO und wie immer beehren uns einige Orchester-Mitglieder mit einem speziellen Musikvortrag. Herzlichen Dank an die Organisatoren!
In der 2. Woche wird Gustav Mahlers 9. Sinfonie geprobt. Jetzt ist das Orchester vollzählig. Wir freuen uns, viele bekannte Gesichter zu sehen und staunen erneut, wie Musiker, die sonst als Solisten bekannt sind, sich ganz selbstverständlich in das Orchester einfügen. Die Atmosphäre ist locker und freundschaftlich, die Musik faszinierend. Natürlich erlaubt es die Akustik im KKL-Saal so nuanciert zu spielen, doch nur Musikern von höchstem Niveau gelingt eine so perfekte Darbietung.
Das letzte Konzert am 21. August endete wie das erste, mit Standing Ovations und Blumensegen vom Balkon. Die Hände schmerzen vom Klatschen, und als Claudio Abbado noch einmal alleine auf der Bühne erscheint, erreichen die Emotionen ihren Höhepunkt… Arrivedeci e mille grazie, a l’anno prossimo!