/ 
 / 
English
x





04 September 2009 / 12:29 

By: Martina Siebert



Tour Diary Friends, Luzern 2009
Teil 2

Am Freitag, den 21.08., stand das vierte Konzert des LFO ganz im Zeichen Gustav Mahlers. Der erste Teil des Konzertes galt den fünf Liedern nach Gedichten von Friedrich Rückert. Kammermusikalisch war der Ansatz des Orchesters und Magdalena Kožená verlieh mit ihrer
kühlen und klaren Stimme den Liedern einen besonderen Akzent. Eindringlich und unter die Haut gehend war ihre Interpretation von „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.

Die 4. Sinfonie von Gustav Mahler geriet zu einem musikalischen Rausch. Leicht, beweglich, farbig und pulsierend ist der Klang, den das Orchester hervorbringt. Eindringlich, aber nicht grell, erklingen die Schellen, Flöten und Klarinetten am Anfang des 1. Satzes. Die Tempi nimmt Abbado angenehm zügig. Immer wieder wunderbar und mit sattem Ton das Blech. Für den 2. Satz schreibt Mahler der Solovioline eine tragende Rolle zu. Sie soll einen Ganzton nach oben gestimmt werden. Konzertmeister Kolja Blacher spielte diese Stelle so intensiv, dass es einem gefror. Es klang nach tanzendem Tod.

Dann das großartige Adagio des 3. Satzes. Die Streicher verströmen eine erlesene Ruhe, ein warmer Klang erfüllt den Saal, man traut sich kaum zu atmen. Am Ende des Satzes, und das ist wieder typisch Mahler, wird man aber aus dieser Ruhe mit einem überwältigen und strahlenden Ausbruch der Hörner und Trompeten förmlich „herausgerissen“. Der 4. Satz ist die Vertonung des „Wunderhorn“-Gedichtes „Das himmlische Leben“, eine bittere Ironie, die von der Solistin des Abends, Magdalena Kozená, aber mit Witz und Naivität gesungen wurde. Der Satz und somit auch die Sinfonie endet so leise – und hier wiederhole ich mich –, wie es nur Claudio Abbado kann. Nachdem die letzten Töne der Harfe verklungen sind, herrschte im Saal „Die Stille nach der Musik” so wie es sich jeder Musikliebhaber nur wünschen kann. Ein wunderbarer Moment, in dem alles miteinander zu verschmelzen scheint. Das war Musik von einem anderen Stern. Der anschließende Jubel und Applaus kannte keine Grenzen. Ein ganz besonderer Abend.

Am darauffolgenden Tag stand mittags wieder das Blumenschneiden auf dem Programm. Rosen, Nelken, Gerbera in bunten und kräftigen Farben verteilten wir nach 3 Stunden schneiden und sortieren sie auf sechs Tüten, die wir vor dem Konzert schon im KKL „deponieren“ durften.

Nur, was sollte heute Abend nach dem gestrigen Konzert noch kommen? Etwa eine Steigerung? Undenkbar! Aber genau so kam es! Alles was ich in den vorherigen Zeilen beschrieben habe geriet noch intensiver, noch einfühlsamer, die Musiker saßen auf der Stuhlkante und gaben alles. Wir wurden alle getragen von der Musik. Auch hier am Ende wieder die herrliche Ruhe. Ich saß wie elektrisiert auf meinem Platz und fragte mich, wie ich mich gleich überhaupt bewegen soll, da ich einmal um den ganzen Saal herum laufen musste, um in meine „Wurfecke“ zu gelangen. Aber irgendwie gelang es dann doch, und zu viert verteilt an jeder Ecke des Podiums warfen wir „was das Zeug hielt“. Ein wahrer Blumenregen prasselte auf Orchester, Dirigent und Solistin herab.

Es war das letzte Konzert des LFO in diesem Jahr in Luzern. Glücklich, die wunderbaren und unvergesslichen Konzerte erlebt zu haben, aber auch sehr traurig, dass es schon wieder zu Ende war, verabschiedeten wir uns von den Musikern und den Mitarbeitern und ließen diesen letzten Abend noch in einer trotzdem fröhlichen Runde bei gutem Essen, Wein und kühlem Bier ausklingen.

Hier endet mein Bericht. Gern wäre ich noch zum nächsten MCO-Konzert mit Daniel Harding geblieben, aber nach zwei Wochen Urlaub rief die Arbeit, und so trat ich am Sonntagmorgen die Heimreise an.