Dieses Jahr war EROS das Hauptthema des Lucerne Festivals. Es wurde in den vier Programmen des LFO und des MCO in verschiedenen Facetten vorgeführt, von der all-umfassenden idealisierten Beethovenschen Freiheits- und Gattenliebe in Fidelio bis hin zur ganz persönlich gefärbten Erotik der Wesendonck-Lieder, die Yvonne Naef mit dem MCO unter Matthias Pintscher sehr wirkungsvoll darstellte.
Dazwischen (bzw. in der Konzertreihenfolge danach) standen die Gefühle eines Gustav Mahler, der in der IX. Sinfonie seinen Abschied von der Welt nimmt – auf jeden Fall der Höhepunkt dieses Jahres mit einer vor allem im letzten Satz ergreifenden Deutung durch Claudio Abbado - und die des Propheten Elias im Kampf um Wahrheit, von Thomas Quasthoff sowie den anderen Gesangssolisten und dem MCO unter Daniel Harding wunderbar interpretiert. Dazu darf ich anfügen, dass mich diese Elias-Aufführung wesentlich mehr gepackt hat als der Fidelio, bei dem die meines Erachtens nicht sehr geglückte halbszenische Darstellung oft vom Musikalischen abgelenkt hat.
Ein Fest der Liebe in ganz anderer Form, als Familien- und Kinderliebe dagegen wurde am Freitagmorgen demonstriert. Pünktlich eine Stunde vor Beginn der letzten Elias-Arbeitsprobe versammelte sich eine bunte Schar von alt und jung auf dem Kinderspielplatz am Inselikai, denn es war ein Photoshooting angesagt.
So international wie das Orchester präsentierte sich nun die heranwachsende Jugend: vom jüngsten, gerade einmal drei Wochen alten Nicholas aus Deutschland und den USA über die vierköpfige französische Geschwisterriege Marie, Mathilde, Lancelot & Appoline, die kleine Miranda aus Italien, die blonde Maya aus Dänemark, Tamar aus Holland, Emma und Sebastian aus Schweden, Sophia aus Deutschland, Viktor aus Belgien, die kleine Clara aus Österreich, Francesc aus Spanien, bis hin zu Bruno aus Polen und den armenischen Geschwistern Gayanè und David. >>Zum Gruppenbild
Die erste Probe des MCO-Nachwuchses klappte nur mit Hilfe der Eltern, die ihre Sprösslinge bei der Aufstellung und beim Einsatz des „Smilings“ vor der optischen Linse tatkräftig unterstützten. Danach bildeten sich aber sehr schnell und spontan kleinere Gruppen, sozusagen „kammermusikalisch“, im Duett, im Trio, bis hin zum Quintett.
Es war sehr schön anzusehen, wie hier bereits von Kindesbeinen an ein freundschaftlicher und ungezwungener Kontakt zwischen den verschiedenen Nationalitäten entsteht. Ich denke, auch dies ist ein sehr positiver Aspekt eines internationalen Orchesters.
Nach einer knappen halben Stunde war der Spuk vorbei, und die Eltern widmeten sich ihren anstehenden Aufgaben: Der/die eine marschierte zur Probe mit Daniel Harding und den Elias-Solisten ins KKL, der/die andere holte seinen Nachwuchs ein, um vielleicht auch bei der Probe dabei zu sein und Mama oder Papa auf der Bühne zu sehen, und manche gingen einfach an den See um die schöne Zeit zu genießen und die Schwäne am See zu füttern...