MCO mit Martha Argerich und Claudio Abbado in Ferrara
03 May 2011 / 11:55
By: Stephan Fitz
Diesmal war es bereits das dritte Mal, dass wir im April zum MCO nach Ferrara reisten. Der Reiz dieser Reisen liegt für uns nicht nur bei den erwarteten (und auch stets erfüllten) intensiven musikalischen Erlebnissen, sondern genauso in der wunderbaren Atmosphäre der Stadt, die uns Mitteleuropäern die Möglichkeit bietet, einige mediterrane Frühlingstage zu erleben und zu genießen. Ausgerechnet in der Woche, welche wir in Ferrara verbrachten, kühlte es zwar etwas ab, ja es gab sogar ein paar Tropfen vom Himmel, doch auch wieder nicht so ergiebig, dass wir auf die Straßencafés, das Bummeln in den Gässchen oder unsere Spaziergänge mit unserem mitgereisten Hund auf der Stadtmauer hätten verzichten müssen.
Viel Zeit blieb uns allerdings auch wieder nicht, denn es gab heuer einige Neuerungen hinsichtlich der Zahl der Konzerte und der Orchesterbesetzung. Claudio Abbado stellte ein thematisches Konzertprogramm auf, welches Werke, die im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts entstanden sind, zur Aufführung brachte. Das Thema war natürlich zu umfangreich für ein einziges Konzert, so dass diesmal in zwei Konzerten zwei unterschiedliche Programme mit Werken von Ravel, Debussy, Prokofiev und Stravinsky aufgeführt wurden. Leider wird die das musikalische Programm komplementär begleitende Kunstausstellung „GLI ANNI FOLLI - La Parigi di Modigliani, Picasso e Dalí.1918 – 1933“im Palazzo dei Diamanti erst im September eröffnet. Es wäre wirklich sehr reizvoll gewesen, Werke der bildenden Kunst den äußerst farbenfrohen Musikstücken gegenüberzustellen.
Nachdem mehrere der aufgeführten Orchesterwerke eine erheblich größere Besetzung benötigen, als das MCO bereitstellen kann, wurde ein neuer Klangkörper aus dem MCO und dem ebenfalls von Abbado gegründeten und in Bologna ansässigen Orchestra Mozart zusammengestellt. Manche der Musiker sind sich nicht total unbekannt, sie haben bei anderen Gelegenheiten, beispielsweise im Lucerne Festival Orchestra bereits zusammen gespielt, dennoch war es für Sie eine Herausforderung, in derartig kurzer Zeit zu einem homogenen Klang zu gelangen. Viele Stunden intensiver Proben in dicht gedrängtem Zeitrahmen zehrten an den Kräften der Musiker, und wir wundern uns stets aufs Neue, woher sie die Energie nehmen, mit ihrem enormen positiven Einsatz derartig starke musikalische Erlebnisse zu produzieren. Als „Friends“ befanden wir uns doch in der sehr komfortablen Lage, dass wir – die öffentlichen Generalproben mitgerechnet – in nur vier Tagen vier Konzerte hören durften.
Zu einem kleinen Friends-Meeting haben wir uns diesmal in den sehr schönen Räumlichkeiten des Cafés im Castello Estense zusammengefunden und dort die Gelegenheit genutzt, einige für uns neue Kontakte zu „Gleichgesinnten“ zu knüpfen und auch das eine oder andere zu erfahren, was in den künftigen Wochen und Monaten vom MCO geplant ist. Höchst erfreulich war für uns die Nachricht, dass Ferrara das MCO weitere vier Jahre als Residenz beherbergen wird, so dass wir bereits eine gewisse Vorfreude auf die nächstjährige Reise entwickeln können.