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15 October 2009 / 12:27 

By: Christa Hintermayer



Peking, 20. Sep 09, 17:50h – mein eigentliches China-Abenteuer beginnt!

Ich bin seit zwei Wochen - wohlbehütet und gut versorgt - mit einer Reisegruppe in China unterwegs.  Heute vormittag sind wir punktgenau zum Beginn des LFO-Gastspieles in Peking angekommen.
 
Die Reisegruppe fährt jetzt vom Himmelstempel zum Check-In ins Hotel, ich mache mich selbständig - kann doch kein Problem sein im modernen China! Ich winke kühn einem Taxi – es bleibt stehen! Ich zeige dem Fahrer eine Abbildung des National Center for Performing Arts (NCPA) – ein Moment der Verwunderung, dann “Ok”, und nach zehn Minuten steige ich vor dem gigantischen “halben Ei” aus – geht ja alles bestens, wie bei uns (nur viel billiger -  17 Yuan, weniger als 2 Euro fürs Taxi).

Der Komplex steht in einem künstlichen See - wie kommt man da bloß trockenen Fußes hinein? Kein kundiger Reiseleiter ist zur Hand, Passanten fragen ist auch keine gute Idee. Ich beginne den See zu umrunden, endlich finde ich hinter einer unscheinbaren Erhebung breite Stufen, den Eingang. Gleich nach den Kassen ein Security Check, dann das Foyer – überwältigend!

Der Konzertsaal eher traditionell, nach meinem Empfinden mit sehr guter Akustik – die Musiker sind nicht so begeistert, sie hören die anderen Gruppen schlecht. Das Publikum kommt zu allen Konzerten in legerer Kleidung, hört aber sehr konzentriert zu. Allerdings läuten Handys auch in China, und die dürfen in den Saal;  Fotoapparate und andere elektronische Geräte, die nicht läuten oder blitzen, aber die Vorstellung stören könnten, muss man abgeben…

Das Orchester und die Solistinnen werden immer sehr herzlich, Abbado frenetisch begrüßt. Mahler 1 und später Mahler 4 – ein Traum, man kann’s nicht oft genug hören, und es macht alle Mühen vorher mehr als wett.

Die Rundreise bisher ging über Shanghai, Kreuzfahrt auf dem Yangtze, Guilin/Yangshou und Xi’an, alles sehr interessant, aber trotz guter Organisation nicht gerade erholsam. Das Klima macht mir zu schaffen – Temperaturen um 30 Grad und darüber, hohe Luftfeuchtigkeit, am Yangtse viel Dunst, der Drei-Schluchten-Damm ist in voller Länge nicht auszunehmen.

In Guilin bei der Fahrt auf dem Li-Fluß haben wir Glück. Die Nebel reißen auf,  Sonne, ein klarer Fluß, blauer Himmel und traumhafte Berge rundum: China aus dem Bilderbuch! Ansonsten der überwiegende Eindruck, dass ein Entwicklungsland hart an der Modernisierung arbeitet, schon viel erreicht und noch viel zu schaffen hat.  In den großen Städten modernste Shoppingmalls und ein paar Minuten weiter die “Altstadt” mit primitivsten Verhältnissen.

Peking selbst macht den weitaus besten Eindruck, sauber, viele Blumen, interessante Architektur. Die Menschen absolut nicht mehr im Einheitslook, selbstbewusst. Die breiten Straßen mit Autos verstopft – wie bei uns. Dazwischen noch einige Radfahrer, viele davon schon mit E-Antrieb – flink, lautlos, nachts ohne Licht; für Fußgänger mindestens so gefährlich wie die Altstadt von Ferrara.

Meine Gruppe kehrt am 23. September nach Europa zurück; ich bleibe noch bis Samstag in Peking, übersiedle ins Days Inn in der Verbotenen Stadt – preiswert, sauber und ideal gelegen.

Zu Fuß ist man ohne Stau in 45 min im NCPA. Oder man nimmt die U-Bahn Tiananmen East und fährt eine Station bis Tianamen West. Das zahlt sich aus, denn man braucht fast 20 min., um den riesigen Platz des Himmlischen Friedens zu Fuß zu überqueren.

In der U-Bahn Security Checks, vor dem Days Inn rund um die Uhr Polizei und im Days Inn wird auch mein Koffer beim Einchecken durchsucht – verschärfte Sicherheitsmaßnahmen wegen der bevorstehenden Feiern zum 60. Jahrestag. An den Wochenenden werden der Ti’anmenplatz, Kaiserpalast und Umgebung für die Proben zur großen Parade gesperrt, im Zimmer der Hinweis, dass für die  Hotelgäste in der darauf folgenden Woche Ausgangssperre gilt!

Aber noch gibt’s keine Beschränkungen, nur verstärkten Schutz. Zwischen Hotel und Kaiserpalast liegt eine blitzsaubere, großzügige Hutong – die Bewohner proben in kleinen Gruppen für die Parade, und im kleinen Park daneben am Kanal kann man herrlich sitzen und ausspannen. Ideale Voraussetzungen, um die letzten Konzerte noch richtig zu genießen.

Kolja Blacher, Wolfram Christ und das MCO spielen am 23. September klangschön und mit Hingabe Haydn und die Concertante unter Tan Dun, und nach der Pause Takemitsu und das Earth Concerto von Tan Dun – eine Hommage an Mahler (Lied von der Erde) und eine “beinahe Uraufführung”.  Die echte Uraufführung hat vor zwei Wochen in Grafenegg, in Niederösterreich stattgefunden – 20 km von meinem Wohnort entfernt – , aber da war ich schon unterwegs nach China.

Am vorletzten und letzten Abend Mozartarien mit Rachel Harnisch und die 4. Mahler – “kein’ Musik ist ja nicht auf Erden ….” Ein wunderbarer Abschluss und so fliege ich Samstag früh glücklich und zufrieden nach Audili (chinesische Bezeichnung für Österreich) zurück.