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Claudio Abbado

Claudio Abbado

»Weitermachen!« – Claudio Abbado im Gespräch //

Claudio Abbado gründete 1997 gemeinsam mit den Musikern das Mahler Chamber Orchestra, holte es 2003 als Herzstück des Lucerne Festival Orchestra nach Luzern und ist seit 2008 Präsidiumsmitglied der MCO-Förderstiftung.

Vor allem aber dirigiert er das Orchester regelmäßig in Ferrara und an anderen Orten in Europa. Diese Zusammenarbeit bescherte der noch jungen MCO-Historie zahlreiche Meilensteine: umjubelte Opernaufführungen von Madrid bis Baden- Baden, preisgekrönte CD-Einspielungen, Einladungen zu Education-Projekten nach Venezuela und immer wieder Konzerterlebnisse, die Publikum und Presse in Begeisterung versetzten. Für weitere gemeinsame Projekte in den kommenden Jahren werden viele Ideen geschmiedet, einige haben bereits Kontur angenommen.

Im April 2011 ist ein Projekt mit Werken von Ravel und Debussy in Ferrara und an anderen Orten geplant. Es spielen zum ersten Mal das MCO und das Orchestra Mozart gemeinsam. Was ist die Idee dahinter?

Claudio Abbado:
Wir wollten ein Programm machen, das eine direkte Verbindung zu einer Ausstellung in Ferrara über Malerei in Paris während der 1920 er Jahre herstellt. Das gesamte französische Repertoire des frühen 20. Jahrhunderts, wie zum Beispiel Ravel und Debussy, ist aber zu groß besetzt für das MCO oder das Orchestra Mozart allein. Das ist für große Sinfonieorchester komponiert.

Möchten Sie mit solchen Projekten auch ein kulturpolitisches Zeichen setzen?
Claudio Abbado: Wir möchten diese großartige Musik spielen, die für sich selbst spricht.

Sie haben nicht nur viele Orchester gegründet, sondern sind auch sehr an Musikerziehung interessiert. Wie gehen Sie in Italien mit dem Thema um?

Claudio Abbado: Wir haben bereits angefangen, das »Sistema«, das José Antonio Abreu in Venezuela ins Leben gerufen hat, teilweise auf Italien zu übertragen. In Venezuela erhalten mittlerweile 400.000 Kinder eine musikalische Ausbildung, das ist wunderbar. Natürlich ist die Situation in Italien anders als in Venezuela. Hier gibt es eine breitere kulturelle Basis. Es ist einzigartig, was José Antonio Abreu dort geschaffen hat! Wir wollen hier etwas Ähnliches versuchen, und zwar in allen italienischen Regionen von Sizilien bis Südtirol.

Vergleichbar mit dem Projekt Jedem Kind ein Instrument (JeKi) in Nordrhein-Westfalen?

Claudio Abbado: Ich finde es wunderbar, dass das MCO mit diesen Kindern ein Konzert spielt. Grundsätzlich ist die kulturelle Situation in Deutschland aber eine andere als in Italien.

Die Finanzkrise macht die Situation für die Kunst allgemein immer schwerer. Was können wir tun, um sie am Leben zu erhalten?
Claudio Abbado: Wir müssen trotz Finanzkrise weitermachen. Kultur ist das Wichtigste überhaupt, sie macht reich. Leute die sagen, Kunst sei nicht wichtig, verstehen nicht, wie wichtig Kultur für das ganze Leben ist. Ich glaube, Nietzsche hat gesagt: »Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum«.

Sind große Projekte wie das genannte in diesem Sinn also doch ein Zeichen?

Claudio Abbado: Sehen Sie, es gibt immer Leute, die nicht verstehen wollen, also hören sie nicht zu. Das ist Pech für sie, sie verlieren etwas. Insofern kein Zeichen. Aber es ist wichtig, und deshalb machen wir diese großen Projekte.

Quelle: ON TOUR 2010/11