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Karin Berger, Andreas Richter

Karin Berger und Andreas Richter

Teilhaben und Fördern

Im März 2008 wurde die MCO-Stiftung ins Leben gerufen. In einem Gespräch mit on tour tauschen sich Karin Berger, Präsidiumsmitglied der Stiftung, und Andreas Richter, Intendant des Orchesters, über Förderungsmöglichkeiten und Ziele der Stiftung aus.

Frau Berger, welche Verbindung haben Sie persönlich zur Musik und speziell zum MCO?
Karin Berger: Ich habe seinerzeit miterlebt, wie sich einige der besten Mitglieder des Gustav Mahler Jugendorchesters 1997 zur Gründung des Mahler Chamber Orchestra zusammenfanden. Sie haben sich bewusst dafür entschieden, als frei finanziertes Orchester beste Musik mit höchstem Qualitätsanspruch zu machen. Jetzt sind sie in der Champions League. Aber welche Entbehrungen hat das gekostet! Klassische Musik hat mir in meinem Leben sehr viel gegeben, und ich möchte etwas davon wieder zurückgeben, wie eben jetzt mit der Stiftung für das MCO.

In welcher Form engagieren Sie sich für das Orchester?

Karin Berger: Schon bei der Gründung des MCO haben mein Mann und ich uns aus persönlicher Überzeugung und auf Bitten von Claudio Abbado engagiert. Jetzt soll mit der Stiftung ein solider finanzieller Grundstock geschaffen werden. Sie soll aber auch Herzstück und Heimat für das MCO werden. Die Stiftung möchte nicht nur finanzielle Hilfe leisten, sondern mit Rat und Tat und guten Kontakten ein Netzwerk für das MCO aufbauen.

Wie entstand die Idee, eine eigene MCO-Stiftung zu gründen?
Andreas Richter: Das Thema Stiftung ist zurzeit in aller Munde, weil der Gesetzgeber die Steuervergünstigungen für Spenden an Stiftungen verbessert hat. Außerdem hat eine Stiftung immer einen sehr klaren und unveränderlichen Stiftungszweck, ein Spender kann also sehr sicher sein, dass alle Mittel in dem verabredeten Sinne verwendet werden. Und nicht zuletzt wollen wir in den Stiftungsgremien Menschen einbinden, die uns helfen, unser Netzwerk zu erweitern.

Inwiefern sind Sie darin eingebunden?
Andreas Richter: Als Intendant bin ich ohne Stimmrecht bei den Sitzungen dabei, und meine Aufgabe ist es, Projekte zur Förderung vorzuschlagen und auch Konzepte für eine Zusammenarbeit mit Partnern zu entwickeln.

Wie beurteilen Sie die »Zuständigkeitsdebatte«: Der Staat zieht sich aus der Kulturförderung zurück, dafür sind bürgerliches Engagement und die Privatwirtschaft mehr gefragt?
Karin Berger: Ich bin der Überzeugung, dass ein stärkeres privates Engagement viele Vorteile für die Kultur haben kann. Menschen geben gerne Geld, wenn sie in das Kulturunternehmen eingebunden sind, wenn sie Informationen aus erster Hand bekommen und in einem gewissen Rahmen mitentscheiden dürfen. Die staatliche Finanzierung muss aber die gewachsene Grundlage unseres Kulturlebens bleiben, gleichwohl es hier mehr und mehr Probleme gibt, sowohl im schon lange nicht mehr ausreichenden Finanzvolumen als auch in den oft sehr verkrusteten Strukturen.

Stellt eine Stiftung eine vertrauensbildende Maßnahme dar?
Andreas Richter: Eine Stiftung ist eine angenehm politikferne Einrichtung, deren Zweck und Ziele nicht durch politische Veränderungen gefährdet sind. Das bringt Verlässlichkeit und Vertrauen. Gleichwohl ist auch eine Stiftung nur lebensfähig, wenn sich genug Menschen in ihr engagieren.

Was genau ist der Stiftungszweck der MCO-Stiftung?
Andreas Richter: Der Zweck ist hauptsächlich, Konzert- und Opernprojekte des MCO finanziell zu unterstützen. Besonders förderungswürdig sollen Projekte im Educationbereich und im Bereich der Neuen Musik sein.

Welche Projekte möchte die Stiftung ins Leben rufen?
Karin Berger: In der ersten Zeit wird sich die Arbeit der Stiftung darauf konzentrieren müssen, ein größeres Netzwerk an Geldgebern zu etablieren, bevor es dann um konkrete, an sich defizitäre künstlerische Projekte gehen wird. Aber wir denken schon jetzt über Stipendien für Nachwuchsmusiker oder Kompositionsaufträge nach.

Welches Spender-Publikum passt zum MCO?
Karin Berger: Wir denken vor allem an Personen, die ähnlich mobil, ähnlich international vernetzt und unterwegs sind wie das Orchester. Und auch Firmen und Stiftungen mit kompatiblen Zielsetzungen.

Welche Möglichkeiten bietet die Stiftung Spendern, in Deutschland sowie im Ausland?

Andreas Richter: Sowohl in Deutschland, dem rechtlichen Sitz der Stiftung, wie auch in vielen anderen Ländern, z.?B. Großbritannien, Frankreich und den Benelux-Ländern, können Spenden von der Steuer abgesetzt werden. Darüber hinaus bietet sie, und das ist uns ebenso wichtig, eine Teilhabe an unseren Projekten weltweit, ein internationales Netzwerk, das weit über den musikalischen Bereich hinausgeht, und nicht zuletzt das Bewusstsein, ein sehr besonderes Orchester in seiner Arbeit aktiv zu unterstützen.

Förderung gibt es nicht nur in Form von überwiesenen Geldbeträgen. Welche Möglichkeit sehen Sie außerdem, das MCO zu fördern?
Andreas Richter: Wir sind sehr dankbar für alle Ansätze an professioneller Beratung und Unterstützung, auch an Ideen, weitere Spender zu finden. Ein Mitglied der Stiftung hat erst kürzlich statt Geburtstagsgeschenken um Spenden für das MCO gebeten, und da kam eine erfreulich hohe Summe zusammen.

 

Quelle: ON TOUR 2008/2009

Die MCO Stiftung