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Das MCO in Ferrara

Stadt der Künste //

Konzertprogramme mit Dirigenten wie Ton Koopmann, Esa-Pekka Salonen, Daniel Harding oder Claudio Abbado, Kammermusik im Jazz Club Ferrara, offene Generalproben, moderierte Schülerveranstaltungen und die aktive Teilnahme an einer internationalen Konferenz zum Thema »Kunst und Kultur in Zeiten der Wirtschaftskrise« – der Kalender ist voll, wenn das MCO in seine erste und älteste Residenz Ferrara reist. Dies tut es zwei- bis dreimal pro Saison, ein feststehender Termin ist die alljährliche Eröffnung der Konzertsaison von Ferrara Musica, dem von Claudio Abbado 1989 ins Leben gerufenen Konzertveranstalter.

Residenzen waren und sind die Orte, an denen Ungewöhnliches erprobt, Neues entdeckt und Bekanntes in neue Zusammenhänge gestellt werden kann. Für das MCO, aber auch für die Residenzen, ist dieses Spektrum an Aktivitäten von existenzieller Bedeutung. Finanzkrise, Strukturwandel und Globalisierung haben in Europa manches zur Disposition gestellt, was jahrzehntelang als selbstverständlich genommen wurde.

Auch in Italien wird die Situation für Kultur nicht einfacher. Die politisch Verantwortlichen in Ferrara haben gemeinsam mit den verschiedenen kulturellen Institutionen Pläne entwickelt, um der Situation konstruktiv zu begegnen. George Edelman, künstlerischer Leiter von Ferrara Musica, erläutert die zugrunde liegende Vision: »In Ferrara sollen die Künste zusammengeführt werden. Theater, Bildende Kunst und Musik werden in genreübergreifenden Projekten ein gemeinsames Thema aus ihren jeweiligen Perspektiven heraus beleuchten. Wir möchten Ferrara als Stadt mit einer hochinteressanten und bedeutsamen kulturgeschichtlichen Tradition aus dem Schatten Venedigs holen.« George Edelman ist sehr angetan von der Idee, kulturgeschichtlich relevante Epochen mit allen Künsten für das Publikum erfahrbar zu machen. »Es gibt so viele Möglichkeiten, interessante Projekte zu entwickeln – Workshops, Kammermusikkonzerte und vieles mehr.«

Das nächste MCO-Projekt mit Claudio Abbado in Ferrara wurde in Zusammenhang mit einer Ausstellung über Malerei der 1920 er Jahre in Paris im Palazzo Diamanti geplant. Das Orchester spielt erstmalig gemeinsam mit dem Orchestra Mozart aus Bologna, auf dem Programm stehen mit Ravel und Debussy die wichtigsten Vertreter des französischen Impressionismus.

Eine andere Kooperation besteht bereits seit längerem: Der Jazz Club Ferrara hat mit Ferrara Musica die Konzertreihe Ferrara Musica OFF kreiert, die Neue Musik, Jazz und Klassik im Torrione, einem historischen Wachturm der Stadt, präsentiert. Diese Reihe fortzusetzen und auszubauen ist Teil der künstlerischen Planung von Ferrara Musica. Auch für das MCO, das dort mit wechselnden Solistenensembles auftritt, sind die Gastspiele im Torrione mittlerweile fester Bestandteil des Programms.

»In diesem außergewöhnlichen Raum sind die Musiker viel näher am Publikum dran, das schafft eine sehr besondere Atmosphäre«, so MCO-Intendant Andreas Richter. »Außerdem hoffen wir natürlich, dort ein für uns neues Publikum zu finden.« Jazz-affines Publikum gilt gemeinhin als anspruchsvolle und experimentierfreudige Hörerschaft, was die Programmgestaltung der Kammermusikkonzerte umso interessanter macht. »Wir können bei den Konzerten die ganze Bandbreite unseres Repertoires zeigen«, schwärmt Andreas Richter. »Von Bibers Passacaglia über Beethoven und Mozart bis hin zu Penderecki, Ligeti und Widmann. Großartig waren auch die Klezmer-Stücke, die unser Klarinettist arrangiert hat.«

Für die nächste Zukunft hat sich George Edelman vorgenommen, Claudio Abbados Schaffen einen besonderen Raum in Ferrara zu geben. Abbado soll als Persönlichkeit gewürdigt werden, die über das Dirigieren heraus Europas Musikwelt durch die Gründung und Förderung unterschiedlicher Orchester bereichert hat. Entsprechend plant Edelman eine Saison, in der neben dem MCO, das für ihn ein »wesentlicher Teil der Identität von Ferrara Musica« ist, auch das Gustav Mahler Jugendorchester, das Chamber Orchestra of Europe und das Orchestra Mozart eingeladen werden. »Claudio hat so viel für die Kultur getan. Ich möchte hier in Ferrara ein Panorama seines Schaffens zeigen.«